Wirtschaft : Eon: Unternehmen will weltweit die Nummer Eins werden

tas

"Wir haben ein Rekordergebnis erzielt", sagte Ulrich Hartmann, Vorstandsvorsitzender der Düsseldorfer Eon AG. Auf der Hauptversammlung des Energieversorgers am Freitag in Essen präsentierte Hartmann seinen Aktionären die Bilanz 2000 sowie die Ergebnisse für das erste Quartal 2001. Das Betriebsergebnis konnte in den ersten drei Monaten um 37 Prozent auf 949 Millionen Euro gegenber dem Vorjahreszeitraum erhöht werden. Ausschlaggebend hierfür waren vor allem die gestiegenen Gewinnmargen im Ölgeschäft (Veba Oel). Auch die Logistik-Tochter Stinnes und die VAW Aluminium konnten ihr Betriebsergebnis deutlich verbessern. Buchgewinne wurden durch den Verkauf der Beteiligung am Telekommunikationsunternehmen Viag Interkom erzielt. Der Vorsteuergewinn reduzierte sich jedoch "erwartungsgemäß" um 79 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro. Der Rückgang erkläre sich durch Verkaufsgewinne im Bereich Telekommunikation (E-Plus: 3,5 Milliarden Euro, Cablecom: 0,8 Milliarden Euro), die den Vorjahreswert deutlich erhöht hatten.

Trotz einer Erholung der Strompreise sowie Absatzsteigerungen schwächte sich das Kerngeschäft Energie auch zum Anfang des Jahres ab, sagte Hartmann. "Wir gehen aber davon aus, dass das Rekordergebnis aus dem vergangenen Jahr in 2001 überboten wird." Geplant sei, die Rendite bei Eon Energie zu erhöhen, sagte Hartmann. Der Fokus liege zusätzlich auf dem weiteren Ausbau des Strom- und Gasgeschäftes. Der Weltmarkt biete hier ein Umsatzvolumen von 700 Milliarden Euro. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, der globale Energieanbieter Nummer eins zu werden", sagte der Eon-Chef. Durch die Übernahme des schwedischen Energieversorgers Sydkraft sei Eon nun der größte private Energieversorger in Europa. Mit der geplanten Akquisition des britischen Energieunternehmens Powergen schaffe Eon nun auch den strategisch wichtigen Sprung in die USA. Die dort tätige Powergen-Tochter LG & E erzielte 2000 ein operatives Ergebnis von 500 Millionen Euro.

Zur Stärkung des Kerngeschäfts kündigte Hartmann auch weitere Verkäufe an: "Wir suchen nun für Veba Oel einen strategischen Partner." Dabei solle die gesamte Gruppe und nicht nur die anhängenden Aral-Tankstellen verkauft werden. Auch vom Düsseldorfer Spezialchemiekonzern Degussa wolle man sich mittelfristig trennen. Bereits in den letzten eineinhalb Jahren konnten mit unterschiedlichen Spartenverkäufen rund 21 Milliarden Euro erlöst werden. Nach der Übernahme von Powergen für 8,2 Milliarden Euro habe Eon noch weitere 40 Milliarden Euro in der Kasse, sagte der Eon-Chef.

Aktionärsvertreter und Marktbeobachter diskutierten die umfangreichen Umstrukturierungen und die Fokussierung auf das Energiegeschäft bei Eon kontrovers. "Eon ist eine Dauerbaustelle geworden", sagte Jörg Pluta, Geschäftsführer der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch Klaus Repges, Branchen-Analyst bei der Commerzbank, bereitet die Wachstumsstrategie des Konzerns Kopfschmerzen. In Europa sei in den kommenden Jahren im Stromsektor kein Wachstum mehr zu erwarten. Und ein Einstieg in den USA oder in Osteuropa dürfte aufgrund hoher Übernahmekosten sowie starkem Konkurrenzkampf schwierig werden, meint der Analyst.

Die Vorlage der Quartalszahlen überraschte die Börse positiv. Bis zum Nachmittag legte die Eon-Aktie um rund zwei Prozent auf über 57 Euro zu. Das Bankhaus Sal. Oppenheim sieht Eon weiter als "Outperformer", erwartet also, dass sich der Energieversorger überdurchschnittlich entwickelt. Die Quartalszahlen konnten die Ergebnisprognosen der Bank übertreffen. Auf Sicht von sechs bis neun Monaten rechnet Sal. Oppenheim mit Kurssteigerungen von elf bis 17 Prozent.

Zur "Rekordbilanz" des vergangenen Jahres sagte Vorstandschef Hartmann: "Im Jahr 2000 gab es viel Licht, aber auch Schatten." Die Liberalisierung der Energiemärkte und den dadurch bedingten Strompreisverfall habe Eon gut gemeistert. Das Betriebsergebnis des Konzerns (2,76 Milliarden Euro) konnte im Jahr 2000 den Vorjahreswert knapp übertreffen. Der Jahresüberschuss nach Steuern lag bei 4,18 Milliarden Euro (plus 35 Prozent), der Umsatz erreichte über 93 Milliarden Euro (plus 34 Prozent). Den Aktionären wurde eine Dividende von 1,35 Euro je Aktie vorgeschlagen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben