Wirtschaft : Eon verliert Endesa – und gewinnt doch

Die Börse feiert das Scheitern der Übernahme. Der Konzern sucht nun nach Optionen in Osteuropa

Nils-Viktor Sorge

Düsseldorf - Die Börse hat die Niederlage des Energiekonzerns Eon im Poker um den spanischen Versorger Endesa wie einen Sieg gefeiert. Die Papiere des Düsseldorfer Energieriesen legten um fast sechs Prozent auf 108,20 Euro zu. Am Abend zuvor hatte Eon-Chef Wulf Bernotat eingestehen müssen, dass seine Offerte in Höhe von zuletzt 42,3 Milliarden Euro nicht für eine Übernahme von Endesa reichte.

Händler und Analysten begrüßten das Ende der mehr als ein Jahr währenden Hängepartie für Eon. Das Unternehmen müsse den „an der Schmerzgrenze“ liegenden Preis für Endesa nicht zahlen. Anteilseigner hoffen nun auf eine Sonderdividende aus den durch hohe Gas- und Strompreise prall gefüllten Eon-Kassen.

Der Konzern bringt sich aber auch für alternative Übernahmen in Stellung. „Wir werden jetzt weitere Wachstumsschritte prüfen“, sagte ein sichtlich abgekämpfter Bernotat am Dienstag in Madrid. Als besonders interessant bezeichnete er die Energiemärkte in Osteuropa und der Türkei. Insbesondere nannte Bernotat den russischen Markt, der vor der Liberalisierung steht, als geeignet für ein Engagement der Nummer eins unter den deutschen Energieversorgern.

Nächtelang hatte Bernotat mit den wichtigsten Aktionären von Endesa um eine Übernahme oder zumindest eine ansehnliche Minderheitsbeteiligung gerungen. Doch der spanische Baukonzern Acciona und der italienische Versorger Enel wollten Eon ihre im Übernahmepoker aufgestockten Anteile von zusammen 46 Prozent nicht anbieten. Endesa soll nun aufgeteilt werden. Acciona und Enel streben die Mehrheit bei dem spanischen Versorger an, Eon bekommt vor allem Kraftwerke in Spanien, Frankreich, Portugal und der Türkei und muss dafür gut zehn Milliarden Euro zahlen. Eon erhält nach eigenen Angaben eine Produktionskapazität von rund 10 000 Megawatt. Dies seien knapp 30 Prozent der weltweiten Kapazität von Endesa.

„Eon hat sich sehr lukrative Aktivitäten zu einem guten Preis gesichert“, sagte Matthias Heck von Sal. Oppenheim dem Handelsblatt. Die neuen Gesellschaften dürften ein Ergebnis vor Zinsen von über einer Milliarde Euro pro Jahr abwerfen. In Spanien habe Eon natürlich nicht das erreicht, was der Konzern ursprünglich wollte, übernehme mit der bisherigen Enel-Tochter Viesgo aber einen etablierten Anbieter. Italien sei ohnehin ein Zielmarkt gewesen. Auch in Frankreich habe Eon nun als größter ausländischer Versorger einen Fuß in der Tür, auch wenn der Abstand zu Marktführer Electricité de France sehr groß sei.

„Mit den neuen Beteiligungen sind wir als einziges Unternehmen in allen wichtigen europäischen Energiemärkten vertreten“, versuchte Bernotat, der Abmachung mit Acciona und Enel Positives abzugewinnen.

Im Kampf um die Vorherrschaft auf dem von der EU-Kommission angestrebten einheitlichen Markt für Strom und Gas in Europa haben die Düsseldorfer dennoch einen großen Schritt verpasst und erneut Zeit verloren. Schon im Übernahmekampf um den britischen Versorger Scottish Power war Eon mit einem Angebot in Höhe von 16 Milliarden Euro abgeblitzt. Versorger vom Kaliber einer Endesa seien nun nicht mehr auf dem Markt, sagte Bernotat.

Während Verbraucherschützer Eons Vorherrschaft als Horrorvision für die Kunden beschworen, hatte der Düsseldorfer Konzern sein grenzüberschreitendes Engagement als Motor für mehr Wettbewerb und günstigere Preise dargestellt.

Ungeachtet des angekündigten Rückzugs von Eon hält die EU-Kommission an ihrer Klage gegen Spanien fest. „Unsere Entscheidung bleibt bestehen“, sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes am Dienstag in Brüssel. Die Kommission hatte Spanien in der vergangenen Woche vor dem Europäischen Gerichtshof wegen illegaler Übernahmehürden für Eon verklagt. „Wenn Regierungen nicht das EU-Gemeinschaftsrecht befolgen, besteht das Risiko, dass der gemeinsame Binnenmarkt ins Chaos geschickt wird“, sagte der Sprecher.

Die Bundesregierung hat die Einigung im Übernahmekampf begrüßt. „Hier hat es eine Verständigung aller beteiligten Unternehmen gegeben; und die Bundesregierung begrüßt, dass es eine solche Verständigung gibt“, sagte Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Man hoffe, dass die Vereinbarung rasch umgesetzt werde. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) appellierte an die spanische Regierung, der Einigung im Übernahmekampf keine Steine in den Weg zu legen. „Ich hoffe, dass die Lösung nicht weiter blockiert wird und vorangeht“, sagte er .

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