• Eon will sich die Mehrheit bei der Ruhrgas sichern Monopolkommission befürchtet Nachteile für den Wettbewerb

Wirtschaft : Eon will sich die Mehrheit bei der Ruhrgas sichern Monopolkommission befürchtet Nachteile für den Wettbewerb

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Berlin (fo). Der Düsseldorfer Versorgungskonzern Eon drängt mit Macht auf die Übernahme des größten deutschen Ferngasunternehmens Ruhrgas. In der Nacht zu Dienstag gab Eon einen Aktientausch mit der Essener RAG (ehemals Ruhrkohle AG) bekannt. Danach gibt die RAG ihr Ruhrgas-Paket von 18,4 Prozent an Eon ab und erhält im Gegenzug Aktien am Spezialchemiekonzern Degussa. Die gesamte Transaktion hat einen Wert von 3,9 Milliarden Euro.

Eon käme auf diesem Weg in die komfortable Lage, 60 Prozent der Ruhrgas-Anteile zu kontrollieren. Weitere Ruhrgas-Gesellschafter waren bereit, Anteile an Eon zu verkaufen. Ob es zu dem jüngsten Geschäft mit der RAG kommt, hängt vom Votum des Bundeswirtschaftsministeriums ab. Bis Ende Juni will das Ministerium über eine Sondergenehmigung für Eon zur Ruhrgas-Übernahme entscheiden. Das Bundeskartellamt hatte im Februar eine Fusion Eon-Ruhrgas mit dem Hinweis untersagt, dass damit der Erdgaswettbewerb in Deutschland zum Erliegen kommt. Am Dienstag schloss sich nun auch die unabhängige Monopolkommission dieser Meinung an. Die Mitglieder befürchten „schwerwiegende Wettbewerbsbeeinträchtigungen“. Selbst unter Auflagen, heißt es, sollte die Ministererlaubnis nicht erteilt werden.

Die Entscheidung wird allerdings nicht Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) selbst fällen, sondern sein Staatssekretär Alfred Tacke. Müller gilt in der Öffentlichkeit als befangen, weil er beim Eon-Vorgängerkonzern Veba gearbeitet hatte. Diesen Vorwurf hat Müller immer zurückgewiesen.

Die Empfehlung der Monopolkommission ist für das Ministerium nicht bindend. Das Nein der Experten macht es allerdings nicht leichter, der Fusion von Eon und Ruhrgas doch noch grünes Licht zu geben. In der Branche wird damit gerechnet, dass der Zusammenschluss unter Auflagen genehmigt wird. Im Gespräch ist unter anderem die Münchener Thüga, von der sich Eon dann trennen müsste. Die Thüga hält Beteiligungen an 130 Regionalversorgern und Stadtwerken in Deutschland und erreicht fünf Millionen Erdgaskunden. Es wird befürchtet, dass Eon/Ruhrgas über die Thüga ihre ohnehin dominanten Positionen im Gas, aber auch im Strommarkt ausbauen könnten. Hinzu kommt: Der Gaswettbewerb ist trotz Liberalisierung in Deutschland noch nicht recht in Gang gekommen, weil die beteiligten Unternehmen und Verbände sich erst vor wenigen Tagen auf Regeln einigen konnten, wie und zu welchen Konditionen Erdgas durch fremde Netze geleitet werden könnten.

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