Wirtschaft : Eon will Strompreis 2006 konstant halten

Keine Zusage für Gas / Zuversicht bei Endesa-Plänen

Anselm Waldermann

Berlin - Der größte deutsche Energieversorger Eon schließt weitere Strompreiserhöhungen für Privatkunden in diesem Jahr aus. Das sagte das zuständige Vorstandsmitglied Johannes Teyssen bei der Vorstellung der Bilanz 2005. Beim Gaspreis hingegen will sich der Energiekonzern nicht festlegen: „Wir hoffen, dass wir langsam das Ende der Fahnenstange erreicht haben. Aber garantieren können wir das nicht“, sagte der Chef des größten deutschen Gasimporteurs Eon-Ruhrgas, Burckhard Bergmann.

Zum Jahresbeginn hatte Eon seine Strompreise durchschnittlich um gut vier Prozent erhöht. Gas hatte sich zum Teil noch deutlich stärker verteuert. Gleichzeitig entwickelte sich das Ergebnis des Energiekonzerns hervorragend. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Eon – unter anderem dank Sonderverkäufen – einen Überschuss von 7,4 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen für 2005 eine Dividende von sieben Euro je Aktie bekommen.

Auch für das laufende Jahr erwartet Eon gute Geschäfte. Allerdings werde der Nettogewinn mit 3,4 Milliarden Euro den Vorjahreswert nicht mehr erreichen. Die Eon-Aktie, die zuletzt stark gestiegen war, notierte am Donnerstag bei 90,65 Euro mit einem Prozent im Minus.

Für die geplante Übernahme des spanischen Energieversorgers Endesa zeigte sich Eon-Chef Wulf Bernotat zuversichtlich. Trotz des spanischen Widerstands gehe er davon aus, „dass die Vorteile dieser Transaktion überzeugen und politische Erwägungen hintenan stehen werden“, sagte er. Die spanische Regierung hatte sich kritisch zu der Fusion geäußert. Sie würde es vorziehen, dass Endesa mit dem spanischen Gaskonzern Gas Natural zusammengeht und so ein nationaler Energie-Champion entsteht. Die EU-Kommission prüft derzeit, ob dieses Vorgehen der spanischen Regierung mit europäischem Recht vereinbar ist.

Auch Endesa selbst hat das Übernahmeangebot bisher abgelehnt – allerdings nicht aus politischen Gründen, sondern weil der Preis zu gering sei. Eon bietet 29,1 Milliarden Euro in bar. Tatsächlich jedoch belaufen sich die Kosten der Übernahme inklusive der Endesa-Schulden nach Angaben der Deutschen auf rund 55 Milliarden Euro. Der gebotene Preis sei deshalb angemessen und werde nicht erhöht, sagte Bernotat am Donnerstag. Gleichzeitig betonte er, dass Eon neben Endesa auch weitere Übernahmen prüfe. „Wir konzentrieren uns eindeutig auf Endesa. Aber wir haben immer eine Reihe von Projekten auf dem Radar.“

Mit der Verschmelzung von Eon und Endesa würde der größte Strom- und Gaslieferant der Welt entstehen. Das Unternehmen hätte mehr als 50 Millionen Kunden in Europa, Nord- und Südamerika und würde 107 000 Mitarbeiter beschäftigen.

Wie sich die Gaspreise in Deutschland entwickeln werden, ließ Eon offen. Lediglich beim norddeutschen Versorger Eon-Hanse stehe fest, dass es keine Änderungen geben werde. Großabnehmer wie Stadtwerke und Regionalversorger müssten dagegen zum 1. April auf jeden Fall mit einer Erhöhung rechnen. Dies könnte auch für die Kunden der Stadtwerke Folgen haben.

In Berlin hatte die Gasag die Gaspreise zuletzt am 1. Januar erhöht. Weitere Pläne bestünden nicht, sagte ein Sprecher. Beim Strom hatte der größte Berliner Versorger, Vattenfall, eine Erhöhung zum 1. Mai angekündigt. Darüber hinaus will sich das Unternehmen nicht festlegen.

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