Wirtschaft : Epcos: Schlechte Stimmung

Die Deutsche Telekom und British Telecom (BT) haben überraschend eine weit reichende Mobilfunkallianz geschlossen. Die früheren Staatsbetriebe wollen mit ihren Mobilfunktöchtern T-Mobile und BT Wireless beim Aufbau der UMTS-Netze in Deutschland und Großbritannien eng kooperieren. Auch bei den bestehenden Mobilfunknetzen der zweiten Generation (GSM) werden die Konzerne ihre Zusammenarbeit ausbauen. "Dies ist die weit reichendste Kooperation, die bisher in Europa vereinbart wurde", sagte T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke. Die Zusammenarbeit kommt nur eine Woche nachdem die Regulierungsbehörde für Telekom den Weg für eine engere Zusammenarbeit der Wettbewerber beim UMTS-Aufbau in Deutschland freimachte. Die Behörde kündigte an, sie werde die Pläne genau überprüfen.

Die - noch unverbindlichen - Absichtserklärungen der Telekommunikationskonzerne sehen einen koordinierten Ausbau der Infrastruktur für die dritte Mobilfunkgeneration (UMTS), die gemeinsame Nutzung von neuen und vorhandenen Basisstationen, Grundstücken, Masten und Antennen sowie ein wechselseitiges "National Roaming" für die UMTS-Netze in Deutschland und Großbritannien vor. Außerdem soll die Telekom-Tochter One-2-0ne künftig das bestehende Mobilfunknetz von BT Cellnet nutzen können, um Lücken im eigenen Netz zu schließen. Eine ähnliche Vereinbarung existiert bereits zwischen der deutschen BT-Tochter Viag Interkom und der Telekom. "Wir sind mit dieser Vereinbarung die Ersten, die eine intelligent geplante, mobile Kommunikation der Zukunft in den beiden größten Mobilfunkmärkten Westeuropas schaffen", sagte BT Wireless-Chef Peter Erskine. Beide Partner rechnen mit möglichen Einsparungen für den Netzausbau von bis zu 30 Prozent und mit deutlich geringeren Betriebskosten.

"Wir sind bislang von Netzinvestitionen von fünf Milliarden Euro in Deutschland und vier Milliarden in Großbritannien ausgegangen. Auf diese Summe erwarten wir nun Einsparungen von 30 Prozent", sagte ein Sprecher von T-Mobile am Dienstag.

Gleichzeitig könnten die Kunden wahrscheinlich von einer schnelleren Inbetriebnahme der UMTS-Netze profitieren. Auch die Umwelt werde durch eine geringere Zahl von Funkmasten geschont. T-Mobile geht für Deutschland davon aus, dass bis zu 50 Prozent der geplanten UMTS-Standorte für eine gemeinsame Nutzung in Frage kommen. Die Verhandlungen sollen bis zum Ende des Sommers abgeschlossen sein.

Die Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hatte erst in der vergangenen Woche den von Kursverlusten und gigantischen Schulden gebeutelten Telekommunikationskonzernen die Möglichkeit eröffnet, durch gemeinsame Nutzung der teueren Infrastruktur beim Aufbau der UMTS-Netze viele Milliarden Mark einzusparen. Sie erlaubte den sechs UMTS-Lizenznehmern - Deutsche Telekom, D2 Vodafone, E-Plus, Viag Interkom, Mobilcom und Group 3 G - künftig nicht nur Standorte und Antennen gemeinsam zu nutzen, sondern auch Sende- und Empfangseinrichtungen. Allerdings muss dabei jeder Betreiber die Funktionsherrschaft über sein Netz und seine wettbewerbliche Unabhängigkeit behalten. Die Einhaltung dieses Grundsatzes werde die Behörde auch in diesem Fall genau überprüfen, sagte der Sprecher der Regulierungsbehörde Harald Dörr.

Die Zusammenarbeit ist für Deutsche Telekom und British Telecom besonders deshalb attraktiv, weil die Mobilfunktöchter jeweils auf dem Heimatmarkt des anderen zu den schwächsten Anbietern gehören. Die BT-Tochter Viag Interkom ist der kleinste deutsche Mobilfunkanbieter, die Telekom-Tochter One-2-One der kleinste Anbieter auf dem britischen Markt.

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