Wirtschaft : Epigenomics-Börsengang auf der Kippe

Geringe Nachfrage nach der Aktie der Berliner Biotechfirma/Börsenmakler und Fonds halten Absage für möglich

Maren Peters

Berlin - Der geplante Börsengang der Berliner Biotechnologiefirma Epigenomics steht auf wackligen Füßen. Fondsmanager halten die Aktie für zu teuer und schließen auch eine Absage des für den kommenden Donnerstag geplanten Börsengangs nicht mehr aus. „Die Aktie verkauft sich wie Sauerbier“, sagte Florian Weber, Chefhändler beim Börsenmakler Schnigge, dem Tagesspiegel am Freitag. „Wenn ich mir den jetzigen Kursverlauf anschaue, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Börsengang abgesagt wird.“

Am Freitag wurde die Epigenomics-Aktie im vorbörslichen Handel in einer Preisspanne von 11,60 bis 12 Euro gehandelt und notierte damit zeitweise unter der Angebotsspanne von 11,90 bis 14,50 Euro. „Es ist sehr selten, dass eine neue Aktie schon seit dem ersten Tag des Angebots auf dem untersten Niveau notiert“, sagte Weber. Seit Tagen wird das Papier kaum nachgefragt.

Die großen Fondsgesellschaften sind sich nach Angaben aus Finanzkreisen einig, dass die Biotech-Aktie zu teuer ist und fordern eine Preissenkung. „Der Preis erscheint uns sehr sportlich bewertet“, sagte Christian Lach von BB Biotech. „Ich könnte mir vorstellen, dass das Papier wieder attraktiver wird, wenn der Preis gesenkt wird.“ Ob der Börsengang in der kommenden Woche abgesagt werde, hänge davon ab, ob der Preis geändert werde, sagt Lach. Er warnte davor, den Börsengang unter allen Umständen durchzuführen. „Wenn die Aktie schon wenige Tage nach dem Börsengang nur noch 30 Prozent ihres Emissionspreises wert ist, wäre das schlimmer als überhaupt kein Börsengang.“

Auch bei der Fondsgesellschaft der Dresdner Bank Dit hält man das derzeitige Angebot für nicht akzeptabel. „Wir halten die Bookbuilding-Spanne für zu hoch“, sagte Sprecher Heinrich Durstewitz. Dem Unternehmen selbst spricht er aber durchaus Marktpotenzial zu. Ein geeignetes Investment sei die Biotechfirma aber nur für Anleger mit langem Atem. Frankfurter Finanzkreise halten eine Preissenkung um zehn Prozent für nötig, um ein realistisches Niveau zu erreichen.

Epigenomics selbst weigert sich, der Forderung der Fondsgesellschaften nachzugeben. „Die Preisspanne ist fair, wir bleiben dabei“, sagte eine Unternehmenssprecherin dieser Zeitung. „Eine Absage ist für uns kein Thema.“

Epigenomics wäre der vierte Börsengang in diesem Jahr und der erste einer Biotechfirma seit drei Jahren. Wegen einer zu geringen Nachfrage des Marktes haben bereits drei deutsche Firmen ihren geplanten Börsengang in letzter Minute abgesagt. Epigenomics mit Sitz in Berlin-Mitte entwickelt Produkte für die Krebsdiagnostik und kooperiert dabei unter anderem mit dem Schweizer Pharmakonzern Roche. Im ersten Quartal dieses Jahres erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,23 Millionen Euro bei einem Verlust von 3,25 Millionen Euro.

Die Einnahmen aus dem Börsengang – erwartet werden 55 bis 76 Millionen Euro – sollen nach Angaben des Unternehmens überwiegend in die Entwicklung eigener Produkte fließen und sollen bis zum Erreichen der Gewinnschwelle ausreichen. Diese wird aber nach Einschätzung von Experten nicht vor 2008 erreicht. Auch darum halten viele Marktbeobachter den Zeitpunkt des Börsengangs für zu früh. „Man muss sich schon die Frage stellen, ob das Unternehmen reif genug ist für den Börsengang“, sagte BB-Biotech-Sprecher Lach.

Selbst wenn der Börsengang nicht klappen sollte, wäre Epigenomics nicht in Not. „Das Unternehmen würde durch den Börsengang gestärkt, käme aber auch ohne gut klar“, heißt es in Finanzkreisen. Durch die millionenschwere Kooperation mit Roche haben die Berliner genug Geld, um weiterzuforschen.

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