Equal Pay : Kolat will Gehalts-Check

Die Berliner Wasserbetriebe bezahlen Frauen gerecht. Viele andere Unternehmen in der Stadt nicht. Ein Gutachten mahnt Nachbesserungen an - und Dilek Kolat will ihre Behörde einem "Entgeltsgleichheits-Check" unterziehen.

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Senatorin Dilek Kolat will prüfen, wie gerecht die Gehälter in ihrer Behörde sind.
Senatorin Dilek Kolat will prüfen, wie gerecht die Gehälter in ihrer Behörde sind.Foto: p-a/ dpa

Berlin - Wenn sie an diesem Donnerstagabend, dem 21. März, ihren Rechner herunterfahren oder ihre Arbeitskleidung ablegen, haben Deutschlands Frauen im Durchschnitt soviel verdient wie ihre männlichen Kollegen schon zum 31. Dezember 2012. Soll heißen: Was Männer in einem Jahr verdienen, dafür müssen Frauen hierzulande fast drei Monate länger arbeiten. Bundesweit beträgt der „Gender Pay Gap“ 22 Prozent. In Berlin fällt er mit 16 Prozent etwas geringer aus. Bei den Wasserbetrieben erfahren Frauen überhaupt keine finanziellen Nachteile, hat das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung festgestellt, die das Unternehmen in seinem Auftrag auf „Entgeltgleichheit“ durchleuchtet hat. Die Stiftung gehört dem Deutschen Gewerkschaftsbund. Das positive Ergebnis des „EG-Checks“: Die Grundgehälter unterscheiden sich nicht – und in Führungspositionen sind Frauen sogar häufiger vertreten als in der Belegschaft insgesamt (36 zu 30 Prozent). „Schwierigkeiten haben wir leider immer noch damit, Frauen für technische Berufe zu gewinnen“, sagte Personalvorstand Norbert Schmidt.

Fragwürdiger Tarifvertrag

Kritisch beurteilte die Gutachterin Sarah Lillemeier allerdings den Tarifvertrag, der für alle Versorgungsbetriebe gilt. „Hier gibt es Diskriminierungspotenzial“, sagte sie. So erlaube der Vertrag sogenannte „Erschwerniszuschläge“ für besonders harte körperliche Arbeit, wie sie zumeist von Männern erledigt würde. „Psychosoziale Kriterien wie ein hoher Stressfaktor werden für Zuschläge nicht berücksichtigt.“

Berlins Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD), zu deren Aufgaben auch die Frauenförderung gehört, lobte den Verdienst des Unternehmens. „Ich will in meinem Haus auch den EG-Check machen“, erklärte sie. In Behörden beträgt der Gehaltsunterschied im Schnitt sieben Prozent. Am Donnerstag soll der „Equal Pay Day“ einmal mehr für Geschlechtergerechtigkeit sensibilisieren.

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