Wirtschaft : Er bietet die Stirn

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USPräsident George W. Bush hat den stellvertretenden Verteidigungsminister Paul Wolfowitz als Nachfolger für den scheidenden Weltbank-Präsidenten James Wolfensohn nominiert. Kritiker sagen nun, Bush lasse die Weltbank wie den Arm des amerikanischen Imperialismus aussehen. Die Antiglobalisierungsbewegung wird sich provoziert fühlen.

Doch festgestellt werden muss: Die Weltbank ist eine funktionsgestörte Bürokratie, die tiefgreifender Reformen bedarf, wenn sie das Vertrauen der amerikanischen Steuerzahler zurückgewinnen und im 21. Jahrhundert überleben soll. Dass der US-Präsident einen talentierten und erfahrenen Staatsdiener wie Wolfowitz nominiert hat, ist ein Zeichen, dass er die Weltbank noch ernst nimmt und dass ihm daran liegt, sie umzugestalten.

Das Outsourcing von Finanzkontrollaufgaben – ein Schritt, dem Wolfensohn sich widersetzte – wäre ein gelungener Anfang. Darüber hinaus müsste die Bank ihre Beihilfen stärker an Leistungen binden und diese Leistungen klar bemessen: Kilometer Straßenbau, Anzahl graduierter Studenten usw.

Manche Wolfowitz-Kritiker fragten schon spontan, welche fachliche Kompetenz ein neo-konservativer Falke aus dem Verteidigungsministerium wohl in die internationale Finanzwelt einbringen könnte. Doch der ehemalige Diplomat kennt sich aus in der Dritten Welt, er war US-Botschafter in Jakarta und Staatssekretär im Außenministerium für Ostasien. Beide Funktionen bekleidete er in den 80er Jahren, als die Vorzüge marktwirtschaftlicher Reformen in jenem Teil der Welt reiche Früchte trugen.

Und was noch wichtiger ist: Wolfowitz ist bereit, Machthabern Wahrheiten ins Gesicht zu sagen. Er mahnte früher als andere sowohl in Indonesien als auch auf den Philippinen den demokratischen Wandel an. Bedauerlicherweise nahmen die dortigen Diktatoren seinen Rat nicht an. Wir haben den Eindruck, wenn irgendjemand den Robert Mugabes der Welt die Stirn bieten kann, dann ist es der Mann, der Saddam Hussein die Stirn bot.

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