Erbschaftsrecht : Wie kann ich den Sohn enterben?

Wie lässt sich die gesetzliche Erbfolge umgehen? Ulrich Schellenberg, Rechtsanwalt und Notar, antwortet auf Leserfragen.

Ulrich Schellenberg
Sein Testament sollte man beim Notar oder beim Amtsgericht hinterlegen.
Sein Testament sollte man beim Notar oder beim Amtsgericht hinterlegen.Foto: dpa

Leserfrage:

Meine Frau und ich haben ein Berliner Testament gefertigt und beim Amtsgericht hinterlegt. Wir haben einen Sohn und einen Enkel. Wir haben uns mit unserem Sohn auseinandergelebt und möchten stattdessen unseren Enkel unterstützen. Per Testament haben wir unseren Sohn enterbt und den Enkel als Alleinerben eingesetzt. Muss der unserem Sohn später etwas abgeben? Und wie viel wäre das?

Zuallererst müssten Sie prüfen, ob das beim Amtsgericht hinterlegte Testament tatsächlich noch Ihrem wirklichen Willen entspricht, also Ihren Enkel als Alleinerben ausweist. Das Berliner Testament sieht im Regelfall vor, dass sich die beiden Ehepartner wechselseitig zu Alleinerben einsetzen und dann bestimmen, wer Erbe des Längerlebenden sein soll. Dieser Schlusserbe kann von den Ehepartnern frei bestimmt werden, oft findet man aber die Formulierung, dass die „gemeinsamen Abkömmlinge“ als Schlusserben berufen werden. Achtung: Bei einer solchen Formulierung wäre Ihr Sohn und nicht Ihr Enkelsohn Alleinerbe nach dem Längerlebenden, da der unmittelbare Abkömmling seine eigenen Abkömmlinge von der Erbfolge ausschließt!

Bitte beachten Sie, dass Sie das Berliner Testament als gemeinschaftliches Ehegattentestament nur gemeinschaftlich und auch nur zu Lebzeiten beider Ehepartner ändern können. Sollte das hinterlegte Testament derzeit nicht Ihrem wahren Willen entsprechen, so empfehle ich Ihnen, dieses Testament aus der amtlichen Verwahrung zurückzunehmen. Dies können Sie nur gemeinschaftlich und nur durch persönliche Vorsprache beim Amtsgericht tun. Mit Rücknahme aus der amtlichen Verwahrung ist das Testament auf jeden Fall unwirksam. Entspricht das bereits hinterlegte Testament aber Ihren derzeitigen Willen, so ist natürlich nichts Weiteres zu veranlassen.

Schenkungen sind eine Überlegung wert

Wie Sie zu Recht vermuten, steht Ihrem Sohn ein gesetzliches Pflichtteilsrecht zu, und zwar schon bereits beim Tod des ersten Elternteils. Das Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Leben Sie mit Ihrem Ehepartner im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, so stünde Ihrem Sohn im Falle der gesetzlichen Erbfolge, also ohne Testament, die Hälfte des Nachlasses zu. Sein Pflichtteil beträgt deshalb nach dem Tod des ersten Ehepartners 1/4 und nach dem Tod des Längerlebenden 1/2, da Ihr Sohn im Falle der gesetzlichen Erbfolge Alleinerbe geworden wäre.

Bei dieser Sachlage kann man sehr wohl überlegen, ob nicht zu Lebzeiten beider Ehepartner Vermögen auf den Enkelsohn übertragen werden soll. Zu beachten ist aber, dass sich im Falle solcher Schenkungen zugunsten des Sohnes ein Pflichtteilsergänzungsanspruch ergibt, der sich allerdings jedes Jahr um 1/10 reduziert. Für den Fall, dass Sie kein Testament gefertigt hätten, würde Ihr Sohn in jedem Fall Ihren Enkelsohn von der Erbfolge ausschließen. Gerade deshalb ist es in Ihrem Falle wichtig, dass Sie Ihren letzten Willen gemeinsam und zweifelsfrei festlegen.

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