Erbwerbslose : Arbeit ist gefragt

Die Erwerbslosenzahl fällt im Mai unter 3,7 Millionen. Arbeitsminister Müntefering spricht von einem „Stabilen Trend“.

Yasmin El-Sharif

Berlin - Immer weniger Menschen in Deutschland melden sich arbeitslos. Zugleich bekommen immer mehr einen Job, wie Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), am Donnerstag in Nürnberg bei der Vorstellung des aktuellen Arbeitsmarktberichts sagte. So waren im Juni nur noch 3,687 Millionen Menschen ohne Job. Das waren rund 125 000 Menschen weniger als im Vormonat. Saisonbereinigt und damit ohne die belebenden Einflüsse des Frühlings sank die Arbeitslosenzahl ebenfalls. Der Rückgang lag bei 37 000.

Sowohl Weise als auch Arbeitsmarktexperten begründeten die positive Entwicklung mit der weiterhin guten Konjunktur in Deutschland. „Volle Auftragsbücher sorgen dafür, dass die Beschäftigung weiter aufgebaut und die Arbeitslosigkeit weiter abgebaut wird“, sagte Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Tagesspiegel. „Der Osten profitiert genauso wie der Westen – der Osten sogar noch einen Tick mehr“, betonte BA-Chef Weise.

Dieser Trend zeigte sich auch in Berlin und Brandenburg. Die Arbeitslosenquote in der Region lag im Juni bei 15,1 Prozent und damit 1,8 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. In Berlin waren im Juni 262 841 Menschen arbeitslos gemeldet, 5770 weniger als im Vormonat. „Das sind gute Nachrichten für den Wirtschafts- und Arbeitsstandort Berlin und vor allem für die Arbeitssuchenden“, sagte Berlins Arbeitssenatorin Heidi Knake-Werner (Die Linke). In Brandenburg sank die Zahl der Arbeitslosen um fast 7000 auf 195 667.

Weise sagte, dass immer mehr Menschen durch den anhaltenden Aufschwung Arbeit fänden. So lag die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nach neuesten Berechnungen im April bei 26,71 Millionen und damit um knapp 600 000 höher als ein Jahr zuvor. Die Linkspartei warnte jedoch davor, dass es eine Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse gebe. So würden etwa Frauen in Berlin zum Teil für Löhne von unter fünf Euro eingestellt, kritisierte der Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf (Die Linke). „Frauen müssen durch eigene Erwerbstätigkeit, die angemessen entlohnt wird, ihre Existenz sichern können.“ Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linkspartei, Christian Görke, machte darauf aufmerksam, dass immer mehr Stammpersonal in den Betrieben durch Leiharbeiter ersetzt würde. Er forderte daher, auch in der Zeitarbeitsbranche gleiche Löhne für gleiche Arbeit zu zahlen (siehe Interview rechts).

Die Qualität der Beschäftigung sei in diesem Aufschwung schlechter als in früheren, sagte auch Gustav Horn, Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, dieser Zeitung. „Mit der Dauer des Aufschwungs und einem zunehmenden Mangel an guten Leuten werden die Firmen aber gezwungen sein, bessere Stellen anzubieten.“ Auch DIW- Mann Brenke erwartet, dass sich das Problem bald lösen wird. „Die Beschäftigten werden langfristig eine verbesserte Verhandlungsposition haben.“ Das gelte auch für Leiharbeiter. „Dann werden Zeitarbeiterstellen möglicherweise zu neuen, herkömmlichen Stellen“, sagte Brenke.

So sprach auch Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) am Donnerstag von einem Erfolg für die Arbeitslosen. Er bezeichnete die Entwicklung als „stabilen Trend“. Die weitere Entspannung auf dem Arbeitsmarkt sei kein beliebiger „Konjunkturhopser“, sondern Konsequenz einer „zielführenden Politik“. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sprach von einem „Aufschwung für die Jugend“, weil immer mehr Jugendliche einen Arbeitsplatz fänden. Die Grünen warfen der Bundesregierung dagegen vor, sich auf den guten Zahlen auszuruhen, statt sich um einen Fachkräftenachwuchs zu kümmern.

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