Wirtschaft : Erdöl-Preis: Erstmals wieder unter 22 Dollar gefallen

Erstmals seit acht Monaten ist der Durchschnittspreis für Opec-Öl wieder unter die Marke von 22 Dollar gefallen. Wie das Sekretariat des Öl-Kartells am Freitag in Wien mitteilte, kostete ein Barrel (159 Liter) zuletzt nur noch 21,64 Dollar. Damit rutschte der Preis unter die von der Opec festgelegte Spanne, die als Zielvorgabe 22 bis 28 Dollar pro Fass vorgibt. Bleibt der Preis an 20 aufeinanderfolgenden Tagen außerhalb dieses Spektrums, wird die Produktion der Organisation gedrosselt oder ausgeweitet. Mit dem deutlich gefallen Preis für Opec-Öl steigt nach Einschätzung von Experten die Wahrscheinlichkeit einer Förderverknappung, wenn die Ölminister der Förderstaaten am 17. Januar in Wien über die Entwicklung an den Öl-Märkten beraten.

Am Londoner Ölmarkt kostete ein Fass der Nordsee-Referenzsorte Brent am Nachmittag 23,70 Dollar. In New York war zum Handelsschluss am Donnerstag für die Sorte Light Sweet Crude 25,98 Dollar gezahlt worden. Als Grund für den Preisverfall gaben Experten die jüngsten Prognosen des US-Energieministeriums zu den Öl-Vorräten in den Vereinigten Staaten an, die deutlich höher liegen als als bislang angenommen.

Noch Anfang Dezember hatte der Preis für Opec-Öl über der Marke von 28 Dollar gelegen. Die elf Opec-Staaten hatten die Öl-Produktion im laufenden Jahr auf Druck der westlichen Industrienationen viermal erhöht, um den teilweise über 35 Dollar liegenden Öl-Preis wieder zu drücken. Dabei war die Produktion insgesamt um 3,7 Millionen Barrel pro Tag ausgeweitet worden.

Opec-Präsident Ali Rodriguez hatte am Donnerstag bereits gesagt, das Kartell wolle seine Fördermenge senken, falls der Ölpreis weiterhin so niedrig bleibe. Rodriguez, der zugleich venezolanischer Ölminister ist, schloss dabei nicht aus, dass die Förderung bereits im Januar um mehr als 500 000 Barrel am Tag reduziert wird. Die Opec-Mitgliedsstaaten würden auf ihrem nächsten Treffen am 17. Januar über eine mögliche Kürzung der Erdöl-Fördermenge entscheiden.

Unterdessen hat der russische Staat angekündigt, weitere sechs Prozent der Aktien der führenden Erdölgesellschaft Lukoil am internationalen Markt verkaufen zu wollen. Die Papiere sollen voraussichtlich im zweiten Quartal 2001 an der New Yorker Börse platziert werden. Präsident Wladimir Putin habe den Verkauf der 50 Millionen Lukoil-Aktien aus dem Staatsbesitz per Erlass verfügt, meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Freitag. Derzeit werden bereits etwa 40 Prozent der Lukoil-Aktien auf internationalen Märkten gehandelt.

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