Erdölpreis : Der Druck lässt nach

Noch kann es keine Entwarnung geben. Während Unternehmen leicht aufatmen, stehen die Heizölkäufer vor einer schwierigen Entscheidung.

Kevin Hoffmann,Diana Widmann
Ölfässer
Lagern oder Preisentwicklung abwarten? -Foto: dpa

BerlinEs langt wenigstens zum Hoffnungtanken: Der Preis für Rohöl der erdölexportierenden Länder (Opec) ist um mehr als vier Dollar auf 116,22 Dollar gefallen – das ist der niedrigste Stand seit Anfang Mai, teilte die Opec-Zentrale in Wien mit. Händler zahlten am Mittwoch für ein Faß (159 Liter) der US-Referenzsorte WTI zur Lieferung im September 119,37 Dollar.

Nur noch 119 Dollar. Öl ist damit knapp 19 Prozent billiger als vor vier Wochen, als der Preis über 147-Dollar- Marke durchbrach und Analysten, Politiker und Unternehmer dazu brachte, wirklich düstere Aussagen über die weitere Entwicklung der Konjunktur abzugeben. Nun, wo sich die Lage etwas entspannt, ergeben sich für Unternehmen wie Verbraucher wichtige Fragen.

Ist das jetzt die Konjunktur-Trendwende?

Eher nicht, obwohl es da natürlich fast so viele Meinungen wie Experten gibt. Fakt ist, dass die Preise kurzfristig die Börsen beflügeln. Händler hegen die Hoffnung, dass vielen Verbrauchern bei sinkenden Ölpreisen wieder mehr Geld für andere Ausgaben zur Verfügung steht, weil diese nicht mehr alles in den Autotank oder die Heizung stecken müssen.

Die Aktien fast aller Branchen gingen zuletzt in der Tendenz nach oben: Luftfahrt-, Industrie-, Einzelhandels- und sogar Finanzwerte. Allerdings ist der sinkende Preis auch ein Ausdruck der Angst, dass in den USA und anderen Industrienationen ein Abschwung droht. Das hieße, dass die Industrie weniger produziert und weniger Bedarf an dem Rohstoff hat. Diese Angst, gepaart mit Meldungen, wonach die Förderländer ihre Kapazitäten ausbauen, drückt den Preis. Zumal immer mehr Spekulanten mit ihrem "Einsatz“ auf sinkende Preise wetten und dadurch den Preisdruck noch erhöhen.

Wird das Benzin endlich billiger?

Vergangene Woche ging sank der preis im für Benzin und Diesel erstmals eit Wochen. "Aber leider wurde es nicht in dem Maße günstiger, wie wir uns das gewünscht hätten“, sagt Andreas Hölzel vom ADAC. Die Benzinpreise sind zwar in den letzten Tagen wieder etwas gesunken, trotzdem fürchtet der Automobilclub, dass die Mineralölkonzerne den Preisvorteil nicht direkt an ihre Kunden weitergeben und Preissenkungen verzögern, um wenigstens noch kurze Zeit "etwas mehr abzuschöpfen“.

Der ADAC empfiehlt Autofahrern, nicht an der erstbesten Zapfsäule den Tank zu füllen, sondern sich zuvor im Internet über die günstigste Tankstelle in der Umgebung zu informieren. Allein schon aus marktpolitischer Sicht sei dies wünschenswert. "Wenn viele Autofahrer bei freien und günstigen Tankstellen kaufen, haben die teuren das Nachsehen und müssen nachgeben.“ Es herrscht Unruhe an der Zapfsäule: Auch für Tankwarte sei derzeit nicht mehr nachvollziehbar, warum mehr als dreimal am Tag die Preise von den Lieferanten verändert würden. "Das kann man nicht mehr erklären“, sagt Sigrid Pook vom Tankstellenverband.

Wird der Gaspreis doch nicht erhöht?

Leider doch. Der Gaspreis folgt dem Ölpreis traditionell mit einer Verzögerung von einem halben Jahr. Der große Berliner Versorger, die Gasag, hat vor einigen Wochen angekündigt, die Tarife zum 1. September um 12,5 bis 14 Prozent anzuheben. Man behalte die sinkenden Ölpreise im Blick, hieß es Mittwoch bei der Gasag. Die Erhöhung zum September sei aber beschlossen und werde ganz sicher nicht zurückgenommen.

Soll man jetzt Heizöl kaufen?

Die Hausbesitzer mit Heizöltank, die sich noch nicht für den Winter eingedeckt haben, haben "gut gepokert“, sagt Ulrich Kleemann, Energieberater von der Verbraucherzentrale Berlin, auf Anfrage. "Aber man sollte das Spiel nicht ausreizen.“ Er rechnet eher damit, dass der Preis bald wieder steigt.

Bei der Eigentümer-Gemeinschaft Haus & Grund mag man noch nicht zum Kauf raten. "Wenn ich wüsste, wie sich der Heizölpreis entwickelt, würde ich jetzt auf einer Jacht in der Karibik segeln“, sagt der Generalsekretär Andreas Stücke. Es gäbe auch keine verlässlichen Erfahrungswerte über die Jahre. Man merke nur, dass die Eigentümer, die kaufen, derzeit nicht den ganzen Tank füllen.

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