Wirtschaft : Erdölpreis: Keine dauerhafte Entlastung durch sinkenden Ölpreis erwartet

mo

Die Preise für Öl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat sich in der vergangenen Woche um zehn Prozent verbilligt. Ein Barrel (159 Liter) kostete nach Angaben des Opec-Sekretariats Ende der Woche im Schnitt nur noch 27,25 Dollar nach 30,92 Dollar eine Woche zuvor. Dabei beschleunigte sich der Preisverfall im Laufe der Woche. Am Freitag lag der Preis für ein Barrel nur noch bei 24,79 Dollar - nach noch 26,20 Dollar am Donnerstag. Auch am Montag gaben die Preise weiter nach. Die Opec führt den Preisverfall auf ein zu großes Angebot zurück. Konjunkturexperten warnen Verbraucher aber vor zu großen Hoffnungen. Es gebe keine Anzeichen einer dauerhafte Preiswende.

Der kuwaitische Ölminister Sheik Saud Nasser Al-Sabah erklärte am Montag, sollten die Preise auf Grund des aktuellen Überangebotes weiter zurückgehen, werde das Kartell darüber nachdenken, die Tagesfördermenge um eine Million Barrel zu reduzieren. Die Entscheidung werde bei der außerordentlichen Konferenz der OPEC-Ölminister am 17. Januar in Wien getroffen.

Zuletzt hatte die Opec in diesem Jahr vier Mal die Fördermenge erhöht, um weitere Preissteigerungen zu verhindern. Die Opec, die gut ein Drittel der weltweiten Ölförderung kontrolliert, ist nicht an großen Preisschwankungen interessiert, sondern strebt einen Preiskorridor von 22 bis 28 Dollar an. Der Ölpreis, der Anfang 1999 noch zehn Dollar kostete, hatte sich vorübergehend fast vervierfacht. In den den vergangenen zwei Wochen fiel er überraschend um 20 Prozent.

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) in Paris erklärt die niedrigeren Ölpreise mit der sich abschwächenden US-Konjunktur und den milden Wintertemperaturen. Birgit Layes vom Mineralölwirtschaftsverband in Hamburg verweist außerdem auf die günstigere Wechselkurssituation. In den vergangenen Monaten hatte der starke Dollar die ohnehin hohen Ölrechnungen für Importländer wie Deutschland noch zusätzlich verteuert. Rohöl wird international in Dollar abgerechnet. Der konjunkturbedingt schwächere US-Dollar entlaste nun auch die Verbraucher, sagte Layes.

Grund zur Entwarnung gebe es nicht, sagte Konjunkturexperte Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Es handle sich vielmehr um kurzfristige Preisschwankungen, die weder geldpolitisch noch politisch relevant seien, sagte Grömling, womit er auf die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank und die akutelle Debatte um die Kilometerpauschale sowie die Ökosteuer anspielte. Mit größeren Entlastungen sei auch für die Verbraucher bis auf weiteres kaum zu rechnen. "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer", sagte Grömling. Eine Zuspitzung des Konfliktes im Nahen Osten genüge, um den labilen Ölmarkt wieder aus den Angeln zu heben. Auch Michael Schubert, Mitarbeiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Commerzbank warnte vor übereilten Hoffnungen. Nur schon ein strenger Winter treibe die Preise sofort wieder in die Höhe. Zurzeit sei die Nachfrage nicht besonders hoch, sagte Schubert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben