Wirtschaft : Erfolg für früheren Sportlehrer

WorldCom-Chef gründete sein Unternehmen Anfang der 80er

NEW YORK (pf).Als der Telefon-Neuling WorldCom Inc im Sommer der MCI Communications, Washington, ein Übernahmeangebot in Höhe von 30 Mrd.Dollar vorlegte, ging ein ungläubiges Raunen durch die Branche.Das könne doch nicht sein, hörte man sagen.MCI hatte bereits mit ihrem Minderheitsaktionär British Telecommunications Plc einen Deal für 24 Mrd.Dollar unterschrieben.Die MCI-BT-Verlobung geriet tatsächlich ins Wackeln, als die GTE Corp mit einem 28-Mrd.Dollar-Bargeldgebot für MCI dazwischenfunkte.Am Wochenende entschieden sich MCI-Chef C.Bert Roberts Jr und WorldCom-Boss Bernard J.Ebbers, daß sie füreinander bestimmt sind.Mit der Zusammenlegung der beiden Firmen würde, wenn sie durchgeht, der zweitgrößte Telefonkonzern der Welt mit mehr als 30 Mrd.Dollar Jahresumsatz entstehen.Roberts würde die Führung des Verwaltungsrates der neuen MCI WorldCom übernehmen, doch als designierter chief executive officer (CEO) würde Bernie Ebbers, der WorldCom eigenhändig zum viertgrößten Anbieter von Ferngesprächsdiensten zusammengebaut hat, das Management kontrollieren. Kaum war aber die von den Kartellwächtern noch nicht abgesegnete Eheschließung am Montag bekannt gegeben worden, begann es in der Gerüchteküche zu brodeln.Seitens BT droht keine Gefahr.Den britischen Freier hat man mit Geld abgefunden.Er erhält für seine 20 Prozent MCI-Aktien sieben Mrd.Dollar.Für BT bedeutet das 2,5 Mrd.Dollar Gewinn.Außerdem muß WorldCom dafür, daß sie den MCI-BT platzen ließ, BT fast eine halbe Mrd.Dollar Entschädigung zahlen.Das sind Summen, denen BT offensichtlich nicht widerstehen konnte.Daß sich die Briten nicht auf einen Bieterkrieg einlassen würden, stand schon fest, als GTE mit ihrer viel höheren Cash-Offerte auf der Matte stand.BT hatte nämlich im August auf Druck des Managements ihr Angebot von ursprünglich 24 Mrd.Dollar auf 19 Mrd.Dollar gekürzt, nachdem MCI für Abschreibungen in Höhe von 800 Mill.Dollar im Zusammenhang mit dem Einstieg in den Nahgesprächsbereich bekanntgab. Für Ebbers war das gefundenes Fressen.Am 1.Oktober legte er MCI sein Aktientauschangebot im Wert von damals 30 Mrd.Dollar vor und zwei Wochen später folgte GTE mit einer 100 Prozent aus Bargeld bestehenden 28-Mrd.-Dollar-Offerte.Und am Sonntag verzuckerte Ebbers sein Gebot um sieben auf 37 Mrd.Dollar. Wie wird sich GTE verhalten? Analysten der Telekommunikationsbranche glauben, GTE werde nicht versuchen, den MCI-WorldCom-Pakt mit einer besseren Offerte aufzubrechen.Dagegen läßt sich einwenden, auch Ebbers haben man keinerlei Chancen eingeräumt, bei MCI zum Zug zu kommen.Dann besteht immer noch die Möglichkeit eines weiteren Bieters.Sollte das Roberts-Ebbers-Gespann aber mit ihrem Deal die noch vor ihnen liegenden Hürden überspringen, würde ein unter dem Firmennamen MCI WorldCom weitergeführter Telefonriese mit 60 Mrd.Dollar Börsenwert, 32 Mrd.Dollar Jahresumsatz, 70 000 Mitarbeitern und 22 Mill.Kunden entstehen.MCI WorldCom wäre in 200 Ländern vertreten und würde in den USA 25 Prozent des Ferngesprächsmarktes kontrollieren. An eine solche Spitzenposition hatte der ehemalige Sportlehrer Ebbers wahrscheinlich nicht im Traum gedacht, als er Anfang der achziger Jahre kurz nach der Zerschlagung des damaligen Monopolisten AT & T in Jackson/Mississippi sein Unternehmen gründete.Steigbügelhilfe erhielt Ebbers zusätzlich vom Staat, der mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Deregulierung des Telefonmarktes Zusammenschlüsse dieser Größe erst ermöglicht hat.

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