Wirtschaft : Erfolge jenseits von Euroland

Holger Alich

Euroland-Aktienfonds sind beliebt. "Die mit Schaffung der Währungsunion neu aufgelegten Eurolandfonds haben die Anleger gut aufgenommen", freut sich ein Sprecher des BVI Bundesverbandes Deutscher Investment-Gesellschaften. Rund drei Milliarden Euro investierten laut BVI-Statistik Sparer in die neue Fondsgattung. Das Konzept überzeugt offenbar: mit einem Fonds in Aktien aus elf Ländern anlegen, ohne ein Währungsrisiko einzugehen. Doch die Wertentwicklung zeigt, dass die Aktienfonds, die in ganz Europa anlegen dürfen, die Euroland-Schwester-Produkte abgehängt haben.

"Ein Fondsmanager soll Perlen finden. Kann er hierbei auch in der Schweiz und in Großbritannien investieren, hat er dazu mehr Chancen", erklärt Iris Albrecht die Performance-Unterschiede. Sie ist Vorstandsmitglied bei Fonds-Kapital, einem Vermögensverwalter auf Investmentfondsbasis. Allerdings bergen die Performance-Sieger bei den Europafonds ein höheres Risiko als die Eurolandprodukte. Der Grund: Viele Manager wie Dirk Ropers, Manager des SiegerFonds DIT Aktien Europa AF, investieren bis zu 50 Prozent ihrer Mittel auch in mittelgroße Unternehmen und in Nebenwerte.

Für Anleger kommt es daher bei der Wahl des Fonds darauf an, welches Risiko sie eingehen wollen. Faustregel: Wer ein solides Basisinvestment in Europa sucht, ist mit einem der Euroland-Fonds gut bedient. Diese Fonds lehnen sich in der Regel eng an den Leitindex Dow-Jones-Euro Stoxx-50 an und investieren die Kundengelder in große und liquide Werte. Beispiel: der Zürich Invest Aktien Euroland. Wer sich die Chancen aus den gesamten europäischen Aktienmärkten nicht entgehen lassen will, greift zu einem Europa-Fonds, der sowohl in die Standardwerte investiert als auch chancen- und risikoreichere Nebenwerte ins Depot nimmt, wie den DIT-Fonds. Aus der Performance der marktbreiten Indizes Euro-Stoxx und Stoxx lassen sich dagegen wenig Hinweise ableiten, welcher der Märkte mehr Chancen bietet. Hier hat seit Anfang November der Euro-Stoxx etwas die Nase vorn, unter anderem auch deshalb, da gerade die neuen Euroland-Fonds ihre frischen Gelder anlegen mussten.

Zwei-Fonds-Stratgie ist empfehlenswert

Für Iris Albrecht von Fonds-Kapital ist klar, dass der europäische Anlageraum mehr Möglichkeiten bietet als die Konzentration auf Euroland. Sie rät zu einer Zwei-FondsStrategie für Europa: Für ein Drittel der dort anzulegenden Gelder empfiehlt sie den Gartmore Europewide Fund (WKN 974443), dessen Fondsmanagerin Ann Steele sich bei den Investments an den Gartmore Continental Europe anlehnt. "Steele darf aber auch in Großbritannien investieren", erklärt Albrecht die Vorzüge des Produktes. Des weiteren gefällt ihr daran, dass der Europewide Funds noch kein zu großes Volumen hat. Dadurch gerät das Management nicht unter Druck, die eingesammelten Gelder unterbringen zu müssen. Zwei Drittel ihrer Gelder für Europa sollen laut Albrecht Anleger in Nebenwerte investieren. Hier rät sie zum Kauf des Invesco Pan European Enterprise Fund (WKN 973789). Ihr gefällt der Ansatz von Manager Gilles Worthington, Marktführer aus ganz Europa aus kleineren Segmenten zu suchen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Worthington mit dieser Methode ein Plus von knapp 90 Prozent.

Mit Nebenwerten aufpeppen

Auch Dirk Ropers, Fondsmanager vom DIT Aktien Europa AF, peppt seine Performance mit Nebenwerten auf. Beispiele: Autonomy, ein britischer Software-Anbieter für Suchsysteme, hat ihm im vergangenen Jahr einen Kursgewinn von über 1300 Prozent beschert. Noch besser lief es bei Distefora, einem Schweizer Internetwert: Er stieg in zwölf Monaten um knapp 4700 Prozent. "Solche Nebenwerte haben auch ein hohes Rückschlagpotenzial", warnt Ropers. Daher rät er, seinen aggressiv strukturierten Fonds in einem Depot nur beizumischen.

Bei Technologiewerten erwartet der Experte hohe Kursschwankungen. Grundsätzlich will er aber die Technologie-Karte weiterspielen. "Die Story ist noch intakt." Neueinsteigern in die Aktienanlage rät er, wegen des geringeren Risikos zu den Eurolandfonds. "Diese sind die neuen Heimatfonds, denn es gibt kein Währungsrisiko mehr", sagt Ropers. Sich beim Fondssparen auf Deutschland zu beschränken, empfindet er daher als "wenig sinnvoll". Eine Zwitterstellung zwischen den Europa- und Eurolandfonds nimmt der Schmidt-Bank Euro Aktien- Fonds ein. Der Fonds investiert den überwiegenden Teil seiner Mittel in die Werte des Dow-Jones-Euro-Stoxx-50, also in liquide Standardwerte. Daher ist der Fonds auch unter den Euroland-Fonds kategorisiert. "Aber wir investieren auch Mittel in solide Werte aus Großbritannien und der Schweiz", erläutert Ulrich Kaffarnik, Leiter des Fondsmanagements bei Franken Invest.

Auch der Schmidt-Bank Euro Aktien-Fonds hat von der Technologie-Hausse profitiert. "Zu unseren größten Positionen zählen Siemens, Deutsche Telekom, Nokia und Alcatel", erläutert der Chef des Fondsmanagements. Zudem habe der Fonds rechtzeitig in Werte investiert, die von Fusionen profitierten, wie etwa Smithkline Beecham und Totalfina. Für die Zukunft rechnet Kaffarnik mit einem Favoritenwechsel weg von den Technologie- und Telekommunikationspapieren. "Diese Branchen sind aus unserer Sicht überbewertet. Pharma- und Finanztitel könnten im Laufe des Jahres zu den Gewinnern gezählt werden. "

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