Wirtschaft : Erfolgreich über die Grenze

Henrik Mortsiefer

BANK DES JAHRES

Die Deutsche Bank sammelt Auszeichnungen. Für das Jahr 2006 listet das Geldinstitut auf seiner Homepage aktuell mehr als 100 Preise auf. Besonders stolz ist der Marktführer auf den Titel „Bank of the Year“, sozusagen der Oscar der Finanzbranche. Bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren gewann die Bank im Januar 2006 diese internationale Auszeichnung. Sie stach die großen Wettbewerber rund um den Globus aus. Honoriert wurde vor allem das glänzende Geschäft mit innovativen Finanzprodukten: Anleihen, Derivaten, strukturierten Finanzierungen und Zinsfutures. Ein Bereich, den Josef Ackermann seit seiner Amtsübernahme im Mai 2002 konsequent ausgebaut hat.

STARKE INVESTMENTBANKER

Ackermann hat mit der Stärkung des Geschäftsbereichs „Global Markets“ die Gewichte innerhalb der Deutschen Bank komplett verschoben. Mehr als 70 Prozent des Konzerngewinns von insgesamt 6,5 Milliarden Euro stammen heute aus dem Investmentbanking und dem Geschäft mit Firmenkunden. Vor zehn Jahren waren es nur 30 Prozent. Verantwortet wird der Zweig von Michael Cohrs und Anshu Jain. Jain gilt als heißester Kandidat für die mögliche Ackermann-Nachfolge. In dem von Ackermann geschaffenen Group Executive Committee, neben dem Vorstand das wichtigste Führungsgremium, dominieren die Investmentbanker.

BÖRSENWERT UND RENDITE

In der Ära Ackermann stieg der Börsenwert der Deutschen Bank kräftig an. Der Aktienkurs kletterte um ein gutes Drittel. Aktienrückkäufe halfen dabei. Zwar bringt die Deutsche Bank mit einer Marktkapitalisierung von knapp 51 Milliarden Euro noch lange nicht das Gewicht großer US-Konkurrenten aufs Parkett. An der Wall Street gilt die Bank aber als angriffslustiger Aufsteiger. Dort werden auch – anders als in der deutschen Öffentlichkeit – Ackermanns ambitionierte Renditeziele begrüßt. Mit 25 Prozent Eigenkapitalrendite (Vorsteuergewinn geteilt durch das eingesetzte Kapital) will Ackermann in die Weltspitze. Im ersten Halbjahr 2006 erreichte die Bank 35 Prozent. Der Preis: Massenentlassungen, die Ackermann ungeschickt in der Öffentlichkeit ankündigte.

EXPANSION IN DEUTSCHLAND

Die Orientierung ins Ausland – von dort kommen zwei Drittel der Erlöse der Deutschen Bank – trug Josef Ackermann den Ruf ein, die deutsche Stammkundschaft zu verprellen. Die Rückbesinnung auf die lange vernachlässigte Privat- und kleinere Geschäftskundschaft im Inland gelang spät. Jetzt greift Ackermann an: Mit dem Kauf der Berliner Bank für 680 Millionen Euro und der Norisbank für 420 Millionen Euro zeigt der Schweizer, dass er auch auf dem deutschen Markt wachsen will.

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