Wirtschaft : Ergebniseinbruch bei den Wasserbetrieben

BERLIN (dr). Die jüngsten Bilanzzahlen der Berliner Wasserbetriebe (BWB) werden die potentiellen Käufer von 49,9 Prozent der Unternehmensanteile kaum erfreut haben. Wie der Vorstandsvorsitzende, Bertram Wieczorek, am Donnerstag in Berlin mitteilte, mußten die BWB 1998 erneut deutliche Erlösrückgänge und - nicht zuletzt wegen der Risikorückstellungen für das SVZ Schwarze Pumpe - auch einen starken Ergebnisrückgang hinnehmen. Insbesondere Industrie und Gewerbe verbrauchten 1998 weniger Wasser, sodaß sich die Erlöse aus dem Wasserverbrauch und Abwasseraufkommen von 2,09 Mrd. auf 1,90 Mrd. DM verminderten. Der Gewinn der BWB lag mit 64,8 (Vorjahr 162,8) Mill. DM deutlich unter den zuletzt genannten Schätzungen von rund 100 Mill. DM. Er geht als Eigenkapitalverzinsung an das Land Berlin. Dazu kommen Grundwasserentgeld und Abwasserabgabe. Insgesamt erhält das Land Berlin 216 Mill. DM, im Vorjahr waren es noch 329 Mill. DM. In Infrastruktur und Anlagen wurden im vergangenen Jahr 814 (Vorjahr 769) Mill. DM investiert. Die Preise für Wasser blieben im vierten Jahr stabil, und die BWB betont, damit liege das Unternehmen bundesweit nicht etwa in der Spitzengruppe, sondern im Mittelfeld.

Schwarze Pumpe hat nach den Worten von Wieczorek ein außerordentlich schwieriges Jahr hinter sich, in dem trotz von 92,5 Mill. DM auf 104,4 Mill. DM gestiegener Umsatzerlöse ein nochmals höherer Fehlbetrag von 54,3 (Vorjahr 47,5) Mill. DM hingenommen werden mußte. Wieczorek beklagte einerseits einen drastischen Rückgang beim Methanolpreis und andererseits immer noch nicht fertiggestellte Anlagen zur Abfallaufbereitung. Für das SVZ wurden in der Konzernbilanz im vergangenen Jahr 98,1 DM an Rücklagen gebildet. Selbst wenn, wie in den Verträge mit RWE/Vivendi vorgesehen, 200 Mill. DM von den Erwerbern für die Umstrukturierung des SVZ bereitgestellt werden, dürfte dies nicht ausreichen. Insgesamt beläuft sich das Risiko bei Schwarze Pumpe nach früheren Schätzungen auf rund gut 700 Mill. DM.

Erfreulicher hingegen die Entwicklung bei der SHW-Gruppe und Berlikomm. SHW konnten ihren Umsatz auf 142 (116) Mill. DM steigern. Das Ergebnis vor Steuern und Sonderabschreibungen ging allerdings leicht von 12,2 auf 11,2 Mill. DM zurück. Im Dezember wurde in Moskau die erste große Kläranlage fertiggestellt. Weitere Projekte werden in Saarbrücken und Zagreb verfolgt. Berlicom hat sein erstes volles Geschäftsjahr mit einem Umsatz von 85 Mill. DM und einem Gewinn von 2,7 Mill. DM abgeschlossen. In Kürze soll der Start ins Telefongeschäft erfolgen.

Beschäftigt wurden zum Jahresende 1998 im Konzern 6413 (6583) Mitarbeiter. Seit 1994 wurden rund 1200 Stellen sozialverträglich abgebaut, gleichzeitig aber auch rund 1100 neue Stellen, die Hälfte davon in Berlin, geschaffen. Personalvorstand Horst Brum rechnet bis zum Jahre 2004 mit einem weiteren Wegfall von rund 1500 Stellen und sieht keine Probleme mit dem zugesagten Ausschluß betriebsbedinger Kündigungen für 15 Jahre. Brum verwies auf die "natürliche" Fluktuation, die Spielraum schaffe.

Im Hause des Wirtschaftssenators Wolfgang Branoner (CDU) scheint man indes keineswegs darüber erfreut gewesen zu sein, daß Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing am Montag mit den jüngsten Ergebnissen aus den Verkaufsverhandlungen für die BWB so schnell an die Öffentlichkeit ging. Branoner nutzte die Bilanz-Pressekonferenz, um darauf hinzuweisen, daß das Konsortium RWE/Vivendi nur zum bevorzugten Bieter erklärt worden sei, und daß die Verhandlungen in vielen Punkten noch nicht abgeschlossen seien. Auch stellte der Wirtschaftssenator nochmals klar, daß Berlin "kein Wirtschaftsunternehmen verkaufe, um es auszuzehren". Die Kompetenz der Wasserbetriebe solle nicht reduziert, sondern durch die mögliche Verbindung erhöht werden. Auf die immer wieder genannten 2,4 Mrd. DM Altlasten eingehend, meinte Branoner, hier handele es sich nur um ein Szenario für den "schlimmsten Fall". Rückstellungen für eventuelle Forderungen für Leitungsverlegungen über Privatgrundstücke sind in der Bilanz der Wasserbetriebe noch nicht gebildet worden. Auch ist noch nicht klar, wem die Mischwasserkanäle in Berlin als Eigentum zugeordnet werden, dem Land oder den BWB. Auch das ist für die Höhe der Entschädigungszahlungen entscheidend.

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