"Erheblich abgeschwächt" : Aktuelle Lage verunsichert Berliner Unternehmer

Ein Großteil der Berliner Unternehmen verzichtet derzeit auf längerfristige Planungen. Grund zur Panik ist das aber nicht.

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Den deutschen Unternehmen gehe es blendend, von der Euro-Krise spürten sie nichts, hieß es immer wieder in den vergangenen Monaten. Eine Studie der Commerzbank, die am Montag vorgestellt wurde, belegt jetzt allerdings das Gegenteil: Die Euro-Krise ist demnach sehr wohl bei der Unternehmerschaft angekommen, auch in Berlin. So gaben 66 Prozent der befragten Berliner Firmen an, die Krise wirke sich negativ auf ihre Geschäftstätigkeit aus.

„Die Unternehmen sind durch die Euro-Krise verunsichert“, sagte Hans-Kornel Krings, Leiter der Commerzbank-Gebietsfiliale Berlin. Das zeige sich auch bei der Kreditvergabe. „Wir würden gerne mehr Kredite vergeben“, sagte Krings. „Doch die Nachfrage hat sich erheblich abgeschwächt.“ Der Grund: Ein Großteil der Firmen verzichte derzeit auf langfristige Investitionen wie etwa die Anschaffung neuer Maschinen. Die unsicheren Rahmenbedingungen seien zur Investitionsbremse geworden. In der Befragung gaben 60 Prozent der mehr als 100 befragten Berliner Unternehmer an, im Moment eher kurzfristig zu planen – nur 40 Prozent treffen demnach zurzeit eher langfristige Entscheidungen. „Vor der Krise war dieses Verhältnis noch umgekehrt“, sagte Krings. Hinzu kommt, dass sich 84 Prozent der Berliner Unternehmen statt mit Hilfe von Krediten im Moment vor allem aus Gewinnen und Rücklagen oder aus dem Cashflow finanzieren, also aus den Einnahmen des laufenden Geschäfts.

Auch psychologisch hinterlasse die Krise Spuren bei den Firmen. „Ein Drittel der mittelständischen Unternehmen äußerte Besorgnis um Zinsen und Tilgung von Krediten“, sagt der Banker. „Dabei waren die Zinsen noch nie so niedrig wie heute.“

Insgesamt blickten die Firmen zwar mit Sorge, aber ohne jeden Alarmismus auf die Folgen der Euro-Krise. „Die Unternehmen wissen, dass sie in den letzten Jahren auch stark vom Euro profitiert haben“, sagte Krings. Hoffnung setzt er für Berlin vor allem auf die Eröffnung des Großflughafens BER, in dessen Umfeld sich neue Unternehmen ansiedeln würden. „Der Flughafen könnte zu einem Jobmotor werden“, sagte er. Die Terminverschiebung sieht der Bankchef nicht so kritisch: „2016 wird niemand mehr darüber reden, wann der Flughafen eröffnet worden ist.“

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