Wirtschaft : Erholung auf dem US-Arbeitsmarkt

Zahl der neuen Stellen steigt im März überraschend stark/Volkswirte warnen vor Euphorie/Börsen reagieren mit Kurssprung

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Berlin (mot). Der amerikanische Arbeitsmarkt erholt sich deutlich schneller als erwartet. Die Zahl der Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft kletterte im März überraschend um 308000 nach einem Anstieg um nur 46000 im Vormonat, teilte das USArbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Das war der stärkste Anstieg im März seit vier Jahren. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Zuwachs von 100000 Stellen gerechnet. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent. Die Börsen reagierten mit einem Kurssprung. Der Dax schnellte bis zum Abend um gut zwei Prozent auf 4007 Zähler nach oben. Der Euro büßte zum Dollar an Wert ein und fiel zeitweise um zwei Cent auf unter 1,22 Dollar.

Volkswirte warnten jedoch vor Euphorie. Wegen eines Streikendes in der Lebensmittelindustrie sei der Zuwachs im März „optisch übertrieben“, schreiben die Volkswirte von HSBC Trinkaus&Burkhardt. „Die Zahl ist aber dennoch sehr gut“, sagte Lothar Hessler von der HSBC. Ob der Trend nachhaltig sei, bleibe aber abzuwarten. Auch in der Vergangenheit habe es in einzelnen Monaten Ausreißer nach oben gegeben. Betrachte man indes das gesamte erste Quartal, seien im Monatsdurchschnitt 170000 neue Arbeitsplätze in der US-Wirtschaft entstanden. „Das war deutlich mehr als man erwartet hatte.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank im Sommer die Zinsen erhöhen werde, sei mit den aktuellen Arbeitsmarktdaten gestiegen.

Nachhaltige Erholung erst 2005

Claudia Winth, Volkswirtin bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), erwartet erst im kommenden Jahr eine nachhaltige Erholung auf dem US-Arbeitsmarkt. „300000 neue Stellen über mehrere Monate hinweg sind nötig“, sagte sie. Im zweiten Halbjahr 2004 werde sich der Beschäftigungsaufbau „sehr langsam“ bei 150000 bis 200000 zusätzlichen Stellen pro Monat zunächst stabilisieren.

Bliebe der Beschäftigungsaufbau in der US-Wirtschaft weiter zögerlich, fürchten Ökonomen, dass auch der private Konsum in den USA schrumpft. Der amerikanischen Wirtschaft drohe dann möglicherweise ein „Triple Dip“, ein dritter Abschwung in Folge ohne zwischenzeitlich starke Erholung (siehe Lexikon, Seite 16). Auch aus Sicht des Präsidenten der Notenbank von Chicago, Michael Moskow, ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt „rätselhaft“. Allerdings seien erste Anzeichen erkennbar gewesen, dass eine Erholung einsetze, sagte er. Allein um mit dem Bevölkerungswachstum in den USA Schritt zu halten, müssten aber jeden Monat 100000 bis 150000 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die US-Wirtschaft ist seit mehr als einem Jahr wieder auf solidem Wachstumskurs – plus 3,1 Prozent im vergangenen Jahr. Doch blieben die Stellen bislang aus. Insgesamt waren im März 8,4 Millionen Menschen arbeitslos. Seit Amtsantritt von Präsident George W. Bush gingen mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze verloren.

Etwas entspannter beurteilen unterdessen amerikanische Einkaufsmanager die Geschäftsaussichten. Der aktuelle Index der Einkaufsmanager stieg unerwartet von 61,4 auf 62,5 an, wie das Institute of Supply Management (ISM) am Donnerstagabend mitteilte. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Rückgang auf 60 Punkte gerechnet. Die Zeichen im Verarbeitenden Gewerbe der USA stehen damit weiter deutlich auf Expansion. Dies gilt auch für die Beschäftigung in diesem Wirtschaftszweig: Der von den Finanzmärkten viel beachtete Beschäftigungsindex kletterte auf 57,0 (Februar: 56,3) Punkte. Das heißt, dass die Zahl neuer Stellen deutlich schneller gestiegen ist.

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