Wirtschaft : Ericsson: Drittgrößter Mobiltelefonhersteller gibt das Handygeschäft auf

Der schwedische Telekom-Konzern Ericsson gibt die Handy-Produktion komplett auf. Der weltweit drittgrößte Hersteller - nach Nokia und Motorola - verbuchte 2000 mit Mobiltelefonen ein Minus von 16,2 Milliarden Kronen (3,7 Milliarden Mark). Bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Stockholm kündigte Ericsson am Freitag an, die Handy-Sparte an das US-Unternehmen Flextronics abzugeben. Es sei an der Zeit, dass man sich auf Stärken konzentriere, vor allem auf die gewinnträchtige Geschäft mit der Mobilfunkinfrastruktur, teilte das Unternehmen mit. Ericsson dämpfte außerdem seine Wachstumsprognose für 2001. Die Ericsson-Aktie verlor zeitweise mehr als 17 Prozent. Nach der Ankündigung des Konzerns gaben an den europäischen Börsen auch die Aktien der Konkurrenten Siemens, Nokia und Alcatel zum Teil deutlich nach.

Ericsson-Konzernchef Kurz Hellström räumte eine verfehlte Modellpolitik im vergangenen Jahr ein. Zudem habe es Lieferprobleme gegeben. Das sei für das Scheitern im Kampf um die Gunst von inzwischen fast einer Milliarde Mobilfunkteilnehmern in aller Welt ausschlaggebend gewesen. "Die Zahlen sprechen ja eine deutliche Sprache. Wir haben zu aufwendige und teure Modelle angeboten, die wir nicht billig genug produzieren konnten", sagte Hellström. Die Marktlage habe kostspielige Preissenkungen erzwungen.

Insgesamt stieg der Gewinn vor Steuern des größten schwedischen Industrieunternehmens von 16,4 auf 28,7 Milliarden Kronen, wobei 15,2 Milliarden Kronen aus Aktienverkäufen stammen. Der Umsatz legte um 27 Prozent auf 273,6 Milliarden Kronen zu. Mit einem Ertrag von 33 Milliarden Kronen entwickelte sich das gesamte Geschäft mit Mobil-Systemen noch stärker und schneller als erwartet.

Dennoch sieht Ericsson deutlich weniger optimistisch in die Zukunft. Beim Umsatz reduzierte der Konzern seine Wachstumsprognose für dieses Jahr von "mehr als 20 Prozent" auf 15 bis 20 Prozent und bei der Gewinnmarge von "mehr als zehn Prozent" auf sechs bis acht Prozent. Von 18 000 Beschäftigten im Handy-Geschäft sollen bis zum Jahresende 7000 entlassen werden. 4200 von ihnen werden von Flextronics übernommen. Bei den Zukunftsprognosen für Mobiltelefone schraubte Ericsson ebenso wie zuvor Nokia und Motorola bisherige Wachstumserwartungen leicht zurück. So sei in diesem Jahr mit dem Verkauf von 400 bis 540 Millionen gegenüber früher erwarteten 525 bis 575 Millionen Geräten zu rechnen.

Hellström erklärte, dass der Markenname Ericsson auf Handys erhalten bleibt. Sein Unternehmen werde sich dabei auf Forschung und Entwicklung, Design und die Stärkung des Warennamens konzentrieren. Für die Umstrukturierung durch das "Outsorcing" an Flextronics sind im laufenden Jahr 12,7 Milliarden Kronen bereitgestellt. Für das erste Quartal erwartet das Unternehmen deshalb ein Null-Ergebnis.

In ersten Kommentaren von Branchenbeobachtern überwog einhellig Skepsis. Zwar werde die Ericsson-Bilanz mit großer Wahrscheinlichkeit entlastet, der langfristige Weg im Handy-Geschäft mit einem bisherigen Lieferanten als Partner sei aber unsicher, hieß es in Stockholm. "Flextronics ist wohl kaum der Traumpartner, den Ericsson benötigt", schrieb die Wirtschaftszeitung "Dagens Industri". Als mögliche Partner waren zuvor vor allem die japanischen Konzerne Sony und Hitachi im Gespräch. Hellström sagte dazu, es gebe weiter die Möglichkeit zu neuen Handy-Partnerschaften.

Dass der Konzern derzeit nicht als gefährdet gelten muss, hat Ericsson seinem Erfolg als Netz- und Systemanbieter im Mobilfunk zu verdanken. Doch auch beim bisher für Ericsson so erfolgreichen Geschäft mit Mobilsystemen verschlechtern sich die Aussichten. Auf diesem Markt ist durch die zunehmende Konkurrenz derselbe Preisdruck zu erwarten, der bei den Handys bereits seit Jahren herrscht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar