Erlebnisgutscheine : Kommt mit irren Gaben

Der Markt für Erlebnisgutscheine boomt gerade an Weihnachten. Nicht alle Ideen sind massentauglich.

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Abgefahren. Erlebnisgutscheine liegen auch 2013 im Trend. Foto: mydays.de
Abgefahren. Erlebnisgutscheine liegen auch 2013 im Trend. Foto: mydays.de

Berlin - Es ist das perfekte Geschenk für alle, die schon alles haben: Ein Lauf über glühende Kohlen. Ideal auch für Schwiegermütter, Chefs und den Ex-Mann. Ein Verkaufsschlager ist das noch nicht. Doch insgesamt boomt das Geschäft mit Erlebnisgutscheinen. Die drei größten Anbieter machen gerade in der Vorweihnachtszeit ihren Hauptumsatz. Der Trend geht offenbar zum Zweitgutschein.

Jochen Schweizer, Mydays und Jollydays gehören zu den bekanntesten Anbietern der Branche, die mit Gutscheinen für Fallschirmspringen (200 Euro), Helikopterflügen (150 Euro) oder Agentenrollenspielen (4500 Euro) ihr Geld verdienen. Und offenbar nicht zu knapp. Jochen Schweizer berichtet von einem Wachstum im Umsatz von bis zu 30 Prozent und auch Jollydays spricht von „zweistelligen Wachstumsraten“. Für Mydays werde 2013 das erfolgreichste Jahr seit Gründung 2003, sagte eine Sprecherin.

Die Konzepte sind ähnlich. Dabei fungieren die Anbieter vor allem als Plattform, die über Gutscheine Kunden an spezialisierte Partner vermitteln. „Über’s Jahr gesehen liegen die klassischen Themen in der Beliebtheit ganz vorne, also beschleunigende Kategorien, beispielsweise Fallschirmspringen oder Quad-Fahren“, sagt Jochen-Schweizer-Sprecherin Jennifer Träger. Mydays-Kunden suchen offenbar eher nach Entspannung. „Außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten etwa im Iglu oder im Schloss sind gerade in diesem Winter sehr beliebt“, sagt Sprecherin Christin Seewöster. Solche Angebote sind für die Firmen besonders attraktiv, weil damit in der Regel gleich doppelt verdient werden kann: „Der Trend geht in Richtung zwei Gutscheine statt einem – nach dem Motto: ich schenk dir eine tolle Zeit und mich gleich dazu“, erklärt Jollydays Geschäftsführer Georg Schmiedl.

Dass Gutscheine an Weihnachten zu unpersönlich sein könnten, findet man bei den Firmen naturgemäß nicht. „Je enger die Bindung zwischen Schenker und Beschenktem ist, desto häufiger werden Erlebnisgutscheine für spezielle Aktivitäten ausgesucht“, erklärt Seewöster. Alternativ gibt es auch noch eine Art „Gutschein für einen Gutschein“. Dabei werden entweder Wertgutscheine für Erlebnisse verkauft oder sogenannte „Erlebnis-Boxen“. Der oder die Beschenkte kann dann aus verschiedenen Angeboten in der Preisklasse auswählen. Nicht besonders persönlich, trotzdem werde eine verstärkte Nachfrage verzeichnet, heißt es bei Jochen Schweizer. Gerade Firmen nutzten das Angebot.

Die meisten, die einen Erlebnisgutschein kauften, wüssten aber, was sie tun, will man bei Jochen Schweizer analysiert haben. Es gehe darum, dem Beschenkten einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen.

Und eine Handvoll Menschen träumt offenbar davon, barfuß über glühende Kohlen zu laufen. Kostenpunkt: 90 Euro. „Der Feuerlauf gehört nicht zu unseren Topsellern, wird aber trotzdem mehrere Mal im Jahr gekauft“, sagt Schmiedl. Jeder brauche einen Kick.

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