Erleichterung : Einigung im Metall-Tarifkonflikt

Im Tarifstreit der deutschen Metall- und Elektroindustrie haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft geeinigt. Die Beschäftigten bekommen demnach in zwei Stufen 4,2 Prozent mehr Geld. Die Verhandlungspartner bestätigten damit einen Bericht des Tagesspiegels.

SindelfingenKnapp am Streik vorbei geschrammt: Nach einem fast 23-stündigen Verhandlungsmarathon haben sich die Tarifparteien in der Metallindustrie auf ein Lösungspaket in der aktuellen Tarifrunde geeinigt. Für drei Monate (November bis Januar) soll es eine Einmalzahlung von 510 Euro geben, zum 1. Februar steigen die Tarifentgelte um 2,1 Prozent und zum 1. April um weitere 2,1 Prozent. Weiterhin gibt es die Möglichkeit für Sonderregelungen in den Betrieben. Der neue Tarifvertrag soll eine Laufzeit über 18 Monate haben, also bis zum April 2010 gültig sein. Damit bestätigt sich ein Bericht des Tagesspiegels.

Nach Angaben der Arbeitgeber wurde zudem für die Monate von Januar bis April 2010 ein Volumen von 1,6 Prozent vereinbart, das allein für die Finanzierung der Altersteilzeit verwendet werden soll. Südwestmetall-Chef Stefan Roell sagte: "Dieser Tag ist ein guter Tag für die Metall- und Elektroindustrie." IG-Metall-Verhandlungsführer Jörg Hofmann betonte: "Das Ergebnis ist geprägt von dem Wollen beider Seiten, einen Arbeitskampf abzuwehren."

Einigung hat Pilotcharakter

Mit der Einigung konnte der erste Streik in der deutschen Schlüsselindustrie seit sechs Jahren im letzten Moment noch abgewendet werden. Die am Dienstag gestarteten Tarifverhandlungen gestalteten sich als langandauernde Zitterpartie. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich acht Prozent gefordert und dieser Forderung mit Warnstreiks Nachdruck verliehen. Bei den Tarifverhandlungen geht es um die Einkommen von 3,6 Millionen Metallbeschäftigten. Dem gegenüber stand das Angebot der Arbeitgeber: Eine Einmalzahlung von 0,8 Prozent des Jahresentgelts für die Monate November und Dezember und dann eine Erhöhung der Tabellenentgelte um 2,1 Prozent zum 1. Januar.

Die jeweiligen Verbandspitzen - IG-Metall-Chef Berthold Huber und Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser - waren vor Ort, um mit Blick auf eine bundesweite Übernahme des Kompromisses beratend zur Seite zu stehen. Am Donnerstag verhandeln die Tarifparteien in Nordrhein-Westfalen über eine Übernahme des Abschlusses der zunächst für Baden-Württemberg gilt.

Huber bezeichnete den Kompromiss als "ordentliches Ergebnis in historisch schwieriger Lage". Erst die massiven Warnstreiks von fast 600.000 Beschäftigten hätten Bewegung bei den Arbeitgebern gebracht. "Die Alternative zu diesem Ergebnis hieße, in einen unbefristeten Streik zu treten", erklärte Huber. "Ich sehe aber nicht, dass wir durch einen Arbeitskampf ein signifikant besseres Ergebnis erzielt hätten." Insoweit sei es gelungen, den verteilungsneutralen Spielraum auszuschöpfen, Einkommenssicherheit  für die Beschäftigten sowie Planungssicherheit für die Unternehmen zu schaffen. (ck/Tsp/dpa/AFP)

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