Wirtschaft : Erleichterung über den Metall-Tarifkompromiß

BERLIN (uwe).Die Einigung zur Übernahme des westdeutschen Tarifabschlusses in der Metall- und Elektroindustrie Ostdeutschlands am Montagabend wurde am Dienstag von den Tarifpartnern als tragfähiger Kompromiß gewertet.In einem Spitzengespräch hatten sich die IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall in Berlin geeinigt, die Lohnrunde West mit einer einmonatigen Verspätung auch auf die neuen Länder zu übertragen.Die Tarifverhandlungen für Westdeutschland beginnen im kommenden Winter.

Dafür wird in Ostdeutschland die 38-Stundenwoche bis zum Jahresende des Jahres 2000 beibehalten, die Härtefallklausel wird wieder eingeführt.Auch die West-Vereinbarungen zur Altersteilzeit werden in den neuen Ländern übernommen.Die Arbeitgeber haben zugesichert, bei den Sonderzahlungen keine Abstriche zu verlangen.Außerdem sollen auch andere Tarifvereinbarungen bis zum Jahr 2000 in Laufzeit und Inhalt möglichst angeglichen werden.Vom Jahr 2000 an sollen dann in Laufzeit und Volumen identische Tarifverträge für West- und Ostdeutschland abgeschlossen werden.

IG Metall-Vize Walter Riester lobte die Vereinbarung als Zeichen für die 266 000 Beschäftigten der ostdeutschen Metallindustrie, daß man bereit sei, "auf dem Weg der Anpassung weiterzugehen." Trotzdem sei es gelungen, den immer noch sehr unterschiedlichen Entwicklungen in der ostdeutschen Branche gerecht zu werden.Der IG Metall-Bezirksvorsitzende Berlin/Brandenburg, Hasso Düvel, sagte, daß nun sichergestellt sei, daß die Ost-Metallarbeitnehmer nicht um die Übernahme des Westabschlusses betteln müßten.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt würdigte die Festschreibung der 38-Stundenwoche bis zum Jahr 2000 als "unbedingt notwendige Antwort auf die unterschiedlichen Produktivitäten" zwischen Ost- und Westdeutschland.Zwar sei die Übernahme der Westergebnisse ein hoher Preis, dafür aber sei der Weg in eine weitere Arbeitszeitverkürzung vermieden worden.Die Tarifvertragsparteien hätten bewiesen, daß "erfolgreiche Bündnisse möglich sind." Die moderate Tarifpolitik der vergangenen Jahre habe in der Branche in diesem Jahr zu 60 000 neuen Arbeitsplätzen geführt.

Der Vorsitzende des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg (VME), Erich Gerard, sieht bei dem Kompromiß die schwierige Situation der Metallindustrie der Region berücksichtigt.Im wirtschaftlichen Aufholprozeß gewährleiste die Einigung "die notwendige Stabilität" für die Region, um bestehende Arbeitsplätze zu sichern und zusätzliche Beschäftigung in der Branche zu schaffen.

Bis zum 9.Oktober müssen die Tarifvertragsparteien jetzt erklären, ob sie den Kompromiß annehmen.Während bereits am Dienstag die Tarifkommissionen der IG Metall für Berlin (Ost), Brandenburg und Sachsen zustimmten, ist bei den Arbeitgebern nicht sicher, ob es ein klares Votum für den Kompromiß gibt.Vor allem die Metallarbeitgeber in Sachsen-Anhalt hatten in der Vergangenheit auf Abstriche an den bestehenden Vereinbarungen, vor allem bei den Sonderzahlungen, gedrängt.

IG-Metall-Chef Klaus Zwickel erklärte, daß die Tarifrunde für Westdeutschland zu einer reinen Lohn- und Einkommensrunde werde.Metallarbeitgeber-Chef Werner Stumpfe hatte bereits im Vorfeld der Verhandlungen erklärt, daß es für Westdeutschland einen Spielraum von rund vier Prozent gebe.Der stehe allerdings nicht allein für Lohnerhöhungen, sondern auch zur Beschäftigungssicherung zur Verfügung.

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