Erneuerbare Energien : Berliner Start-up entwickelt Solarpanel "im Aldi-Format"

Das Start-up Blacksquared vertreibt Solaranlagen für die Handtasche. Und will nicht weniger als eine Energierevolution: Auf dem eigenen Sozialen Netzwerk Changers.com werden eifrig gewonnene Wattstunden gesammelt. Und gegen Preise gehandelt.

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Changers-Kit: Solarpanel mit Akku im Vordergrund
Changers-Kit: Solarpanel mit Akku im VordergrundFoto: Promo

Markus Schulz teilt seine Welt in rotes und grünes Licht. Rotes Licht steht für schlechten Strom, grünes Licht ist angeblich guter Strom. Zur Demonstration schließt der Unternehmer einen kleinen Akkublock zunächst an ein handliches Solarpanel – der Akku lädt grün. Und dann eine herkömmliche Steckdose: Es leuchtet fies rot. Markus Schulz verkauft Akku und Panel und ein wenig Hoffnung auf eine nachhaltigere Welt.

Gemeinsam mit Daniela Schiffer hat Schulz das Berliner Start-up Blacksquared gegründet. Die Firma betreibt die Internetplattform Changers.com. Die dient als Marktplatz für „privaten Emissionshandel“ und zugleich als „soziales Netzwerk für Solarstrom-Sammler“, wie Schulz es nennt. „Wir wollten etwas Handfestes machen“, sagt er.

Daher ist die Plattform zwar das Ergebnis seines Start-ups, nicht aber der wichtigste Baustein. Der besteht aus einem handtellergroßen Akkugerät und einem biegbaren Solarmodul im Handtaschenformat. Diese ermöglichen dem Nutzer, für den Privatgebrauch Solarstrom zu sammeln: Hängt die Platte im Fenster, kann sie an einem sonnigen Tag rund 16 Wattstunden Energie tanken. Die speichert der Akku, den man an die gängigen Smartphones und Tablets anschließen kann. Ein Smartphone braucht acht Wattstunden, um komplett geladen zu werden.

„Wir wollten kleiner denken“, sagt Schulz. Anstatt ganze Hausdächer mit Solarplatten zu decken, müsse es eine „Fotovoltaik-Aldi-Version“ geben. Ein Panel, das auch im urbanen Raum funktioniert. „So wollen wir beim Einzelnen die Begeisterung für nachhaltige Energie wecken.“

Anfang 2010 bekam Changers eine Startinvestition in Höhe von 2,5 Millionen Euro vom Solarunternehmen Centrotherm. Das genügte für die Produktentwicklung und die Serienreife der Akkus sowie der Solarpanels – beide werden komplett in Dresden produziert. Als die Investition im März 2012 beendet wurde und Changers vor der Insolvenz stand, stützten Schulz und Schiffner das Unternehmen mit eigenem Kapital und hoben es unter ihr neues Start-up Blacksquared. 2000 Akkus hatten sie bis Anfang des Jahres verkauft. Nun, sieben Monate später, sind es schon knapp 6000 Stück. Die meisten sind in Deutschland im Einsatz, jedoch wurden auch Geräte nach Skandinavien, Japan und ins kalifornische Silicon Valley verkauft.

Auf der Onlineplattform hat sich jedoch nur jeder zweite Kunde registriert. Etwas mehr als 2600 Nutzer tragen das Netzwerk aktuell. Die Changer können sich einloggen und ihren gewonnenen Solarstrom auf dem eigenen Profil präsentieren. Der Akku überträgt die Daten auf den Rechner. Dann können die User auf einen Blick vergleichen: Wer hat die beste Energieausbeute? Wer hat die schönste CO2-Bilanz?

„Das ist auch genau das, was wir wollen“, sagt Schulz. Sein Unternehmen will weniger mit Emissionen handeln, als vielmehr mit einem Wert. Bei Changers gibt es daher Creditpunkte: Zwei für jedes eingesparte Gramm CO2. Die Punkte kann man gegen reale Prämien eintauschen – einen Urlaub in einem umweltfreundlichen Hotel zum Beispiel.

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