Erneuerbare Energien : Brandenburg top, Berlin flop

Das Land Brandenburg ist zum dritten Mal in Folge mit dem "Leitstern" für die beste Strategie für erneuerbaren Energien ausgezeichnet worden. Berlin landete - mal wieder - auf dem letzten Platz.

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Wind zu Wasserstoff. Im Hybridkraftwerk in Prenzlau (Uckermark) werden Brennstoffzellen mit Windkraft geladen. Mit ihrer Energie kann man etwa Autos grün betanken. Die lokale Firma Enertrag verkaufte so ein Kraftwerk nun nach Frankreich.
Wind zu Wasserstoff. Im Hybridkraftwerk in Prenzlau (Uckermark) werden Brennstoffzellen mit Windkraft geladen. Mit ihrer Energie...Foto: picture alliance / dpa

BerlinBerlin - Das Land Brandenburg ist und bleibt das Maß aller Dinge beim Umbau des Energiesystems. Dem Land Berlin dagegen bescheinigten Forschungsinstitute jetzt erneut die schlechteste Strategie zur Förderung und Entwicklung der erneuerbaren Energien. Und dies liegt offenbar nicht daran, dass die Hauptstadt kaum Platz für große Windräder hat.

Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), die von Unternehmen, Verbänden und Bundesministerien finanziert wird, zeichnete Brandenburg am Donnerstag in Berlin als Gesamtsieger ihres alle zwei Jahre errechneten Bundesländervergleiches aus. AEE-Geschäftsführer Philipp Vohrer überreichte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) dafür den „Leitstern 2012“ – nach 2008 und 2010 nun zum dritten Mal in Folge. Der freute sich über den „Hattrick“ und führte den Erfolg darauf zurück, dass Brandenburg schon seit 1996 eine auf den „Ausbau der Erneuerbaren abgestellte Programmatik“ verfolge.

Die Rangfolge basiert auf einer Studie, die die AEE erneut beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW) in Auftrag gegeben hat. Die Forscher berufen sich auf amtliche Statistiken, Zahlen von Verbänden, Umfragen von Infratest in der Bevölkerung, aber auch Befragungen der Landesregierungen. Insgesamt haben die Institute 53 Indikatoren ausgewertet, darunter natürlich den Anteil regenerativer Energieproduktion im Land (wo Stadtstaaten naturgemäß kaum vorne landen), aber auch Beschäftigungszahlen, Forschungsaktivitäten, Zahl der angemeldeten Patente, die Formulierung klarer politische Ziele.

So gewann Brandenburg, diesmal aber nur knapp vor Bayern. Die Autoren des Berichts verwiesen unter anderem auf eine „vorbildliche energiepolitische Programmatik, eine hohe Zufriedenheit mit Landespolitik, klare Anstrengungen zum Abbau von Hindernissen und die stärkste Zunahme erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch“ in dem traditionellen Braunkohleland. Auch auf den Feldern Forschungs- und Ansiedlungspolitik habe Brandenburg sich verbessert.

Der Freistaat Bayern, der bei der letzten Untersuchung vor zwei Jahren noch auf dem siebten von sechzehn Länderplätzen gelandet war, überzeugte die Forscher durch „ambitionierte Ziele und Förderprogramme, große Anstrengungen und Erfolge bei der Nutzung erneuerbarer Energien und eine erfolgreiche Ansiedlungsstrategie.“ Sachsen-Anhalt sank im Gesamtranking zwar um zwei Plätze auf Rang sieben, die AEE würdigte aber die große Rolle, die die Regenerativen als „Jobmotor im Land“ spielten. Immerhin drei Prozent aller Arbeitnehmer seien in der grünen Energieerzeugung tätig.

Berlin landete in der Gesamtwertung „mit Abstand“ auf dem letzten Platz. „Die relative Bewertung hat sich gegenüber 2010 noch weiter verschlechtert“, wie es im 190 Seiten starken Bericht heißt. Zwar habe der Senat 2011 ein Klimakonzept für das Jahr 2020 entwickelt, entsprechende Beschlüsse mit konkreten Zahlen für den Ausbau neuer Energien lägen bisher aber nicht vor. Auch habe das Klimakonzept zwar Hemmnisse für den Ausbau identifiziert – Beschlüsse, diese auch abzubauen, seien aber nie gefasst worden. Bei den Anstrengungen, grüne Energie zu fördern, belegt Berlin somit den letzten Platz. Auch bei den Kriterien Programmatik, Energieberichte und Informationsmöglichkeiten landete Berlin auf den hinteren Rängen. Zudem sei die allgemeine Zufriedenheit mit der Landespolitik in der Hauptstadt mit Abstand am geringsten.

Die Autoren halten Berlin zugute, dass die Stadt kein Potenzial für Stromerzeugung aus Wasserkraft hat, allerdings gebe es auf dem Landesgebiet nur ein Windrad. Auch werde das Potenzial an Solardächern nur in Hamburg noch schlechter ausgeschöpft. Berlin spiele selbst bei Forschung und Bildung rund um die Erneuerbaren nur „eine relativ geringe Rolle“.

In einem Punkt gestehen die Forscher dem Berliner Senat eine Vorbildfunktion zu, da alle landeseigenen Gebäude zu hundert Prozent mit Ökostrom versorgt würden. Auch der Anteil der privaten Ökostromkunden sei in Berlin überdurchschnittlich hoch (Platz vier). Und bei den ordnungsrechtlichen Vorgaben für die Nutzung regenerativer Wärme landete Berlin auf Platz sieben.

Berlins Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt unter Michael Müller (SPD) ließ eine Anfrage dieser Zeitung zu den Ergebnissen am Donnerstagnachmittag unbeantwortet. Sein Parteifreund Platzeck aus Brandenburg sagte zum Abschneiden Berlins: „Kein Problem, die Stadt versorgen wir einfach mit.“

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