Wirtschaft : Erneute Niederlage im Bananenstreit WTO-Schiedsgericht lehnt Zollerhöhung ab

Michael Schmidt

Berlin - Die EU will die Importzölle auf Bananen erhöhen – aber nur für lateinamerikanische Erzeugerländer. Die haben dagegen bei der Welthandelsorganisation zum wiederholten Male geklagt – und gewonnen: Im Streit um die Zölle hat die EU jetzt bereits die dritte Niederlage einstecken müssen. Die WTO in Genf lehnte am Donnerstagabend ein Kompromissangebot aus Brüssel ab. Auch dieses sehe zu hohe Zölle – 187 Euro pro Tonne – vor, so dass den Produzenten der Zugang zum EU-Markt versperrt werde, erklärte das WTO-Schiedsgericht.

In einer ersten Entscheidung hatte die WTO kritisiert, dass der Import von Bananen aus Lateinamerika stark quotiert wird, der aus Afrika und den Karibikstaaten hingegen nicht. Die EU schaffte daraufhin in diesem Jahr die Quotenregelung ab und schlug ein neues System vor, nach dem für jede Tonne Bananen aus Lateinamerika ab dem 1. Januar 2006 eine Zollgebühr von 230 Euro fällig wird. Die WTO lehnte den Vorschlag im August mit der Begründung ab, durch eine solche Verdreifachung der Zölle würde ein Marktzugang zusätzlich erschwert.

Brüssel reagierte mit Ernüchterung auf die jüngste Entscheidung. „Wir sind überrascht und enttäuscht, dass die Schiedsrichter unseren Vorschlag nicht unterstützt haben“, sagte EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel. Das weitere Vorgehen der Kommission sei völlig unklar, da das Schiedsgericht zwar gesagt habe, was nicht gehe, nicht aber, welche Zollgebühr denn akzeptabel wäre.

2004 kamen aus Lateinamerika 3,4 Millionen der insgesamt vier Millionen Tonnen Bananen, die in der EU jährlich konsumiert werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben