Wirtschaft : Ernst Welteke soll an die Spitze der Bundesbank rücken

MARTINA OHM

BERLIN .Am Montag stand das Thema noch nicht auf der Tagesordnung der nächsten Zentralbankrat-Sitzung.Aber das kann heute schon anders sein - vorausgesetzt die Deutsche Bundesbank erhält Post aus Bonn.Und das ist wahrscheinlich.Denn die Bundesregierung, das heißt der zuständige Bundesfinanzminister wollte diese Woche seinen Vorschlag für die Neubesetzung des Spitzenpostens im Hause der Bundesbank präsentieren.Es geht um die Frage, wer den 67jährigen Bundesbank-Präsidenten Hans Tietmeyer beerben wird, der Ende August aus dem Amt scheidet.

Seit dem Regierungswechsel im Herbst ist klar, daß das nicht automatisch der Vizepräsident der Bundesbank sein kann.Denn Jürgen Stark, unter Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel Staatssekretär im Finanzministerium, war lediglich der Wunschkandidat der Union.Das richtige Parteibuch besitzt ein anderer.Der Präsident der hessischen Zentralbank Ernst Welteke gilt als chancenreichster Anwärter für das Amt des Bundesbankchefs.Dieser hat als einziger aus der Führungsspitze der Bundesbank auch auf übergeordneter Ebene noch ein Wörtchen mitzureden, denn der Bundesbankpräsident ist automatisch auch Mitglied im Zentralbankrat der Europäischen Zentralbank (EZB) und kann somit den geldpolitischen Kurs in Europa mitbestimmen.

Nachdem Hans Eichel das Amt des Bonner Kassenwarts übernahm, haben sich die Spekulationen in Richtung Welteke weiter verdichtet.Denn Eichel und Welteke verbindet viel Gemeinsames aus vergangenen Tagen.So saßen beide vier Jahre lang, zwischen 1991 und 1995, am hessischen Kabinettstisch: Eichel als Ministerpräsident und Welteke als Wirtschafts- und dann als Finanzminister.1995 wechselte Welteke von Wiesbaden zur hessischen Landeszentralbank, wo er sich für den Finanzplatz Frankfurt besonders stark machte.Das Bundeskabinett will einem entsprechenden Votum von Hans Eichel offenbar heute schon zustimmen.

Der 56jährige Welteke ist gelernter Landmaschinenmechaniker; das Abitur absolvierte er auf dem zweiten Bildungsweg absolvierte, anschließend studierte er Volkswirtschaft.Seit mehr als 30 Jahren gehört Welteke der SPD an.Er gilt als unabhängiger Denker und pragmatischer Realist.Weltekes Überzeugung: auch Notenbanker tragen politische Verantwortung.Der Bundesbankpräsident wird formell vom Bundespräsidenten für die Dauer von acht Jahren ins Amt berufen.

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