Wirtschaft : Ernst Welteke verklagt die Bundesbank

Der 2004 über die „Adlon-Affäre“ gestolperte Ex-Notenbankchef fordert höhere Pensionszahlungen

Henrik Mortsiefer

Berlin/Frankfurt am Main - Ernst Welteke fordert von der Deutschen Bundesbank eine höhere Pension. Welteke, der 2004 über die „Adlon-Affäre“ stolperte und zurücktreten musste, hat deshalb seinen ehemaligen Arbeitgeber verklagt. Vor dem Frankfurter Verwaltungsgericht will Welteke die Bundesbank zwingen, seine Pensionsansprüche neu festzusetzen, wie die „Börsen-Zeitung“ schreibt. Die Bundesbank bestätigte am Dienstag den Eingang der Klage. Sie liege seit dem 7. Oktober vor.

Welteke, der als Chef der Notenbank 350000 Euro im Jahr verdiente, musste sich nach seinem unfreiwilligen Rücktritt im April 2004 mit deutlich reduzierten Pensionszahlungen zufrieden geben. Der Grund: Er war nur knapp fünf Jahre im Amt gewesen. Die volle Pension steht Bundesbankpräsidenten aber erst nach acht Jahren zu. Laut „Börsen-Zeitung“ zahlte die Bundesbank deshalb monatlich statt 24000 Euro „nur“ 8000 Euro an Welteke. Sein Anwalt glaubt nun, dass das entsprechende hessische Abgeordnetengesetz, auf das sich die Bundesbank offenbar beruft, Gestaltungsspielraum zu Gunsten Weltekes lässt.

Schon im vergangenen Jahr hatte sich der Ex-Bundesbanker in einem Interview über die nach seinem Geschmack zu magere Pension beklagt. Nach Abzug einer großzügigen Absicherung seiner ersten Frau, monatlichen Überweisungen an seine studierenden Söhne, Miete und der üblichen Versicherungen „ist das Geld weg“, sagte er.

Ernst Welteke war im vergangenen Jahr wegen eines von der Dresdner Bank bezahlten Aufenthaltes im Berliner Nobelhotel Adlon unter massiven öffentlichen Druck geraten. Er hatte sich anlässlich der Euro-Einführung zur Jahreswende 2001/2002 einen mehrtägigen Aufenthalt in Berlin finanzieren lassen. Außerdem war bekannt geworden, dass er mit seiner Frau 2003 auf Kosten von BMW das Formel-1-Rennen in Monaco besucht hatte. Um die Reputation der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank, deren Rat er angehört hatte, nicht zu gefährden, trat Welteke im April 2004 zurück.

Um seine Altersversorgung muss sich der 63-Jährige eigentlich keine Sorgen machen. So hat Welteke noch Pensionsansprüche aus seiner Amtszeit als hessischer Wirtschafts- und Finanzminister unter dem damaligen Ministerpräsident Hans Eichel in den Jahren 1991 bis 1995. Sie sollen sich auf 3112 Euro monatlich belaufen und wurden bei der Bundesbank-Pension berücksichtigt. Außerdem saß Welteke von 1974 an insgesamt 21 Jahre lang im Wiesbadener Landtag.

Auch im aktiven Berufsleben ist der ehemalige Bundesbank-Präsident in diesem Jahr wieder in Erscheinung getreten: So sitzt er seit dem Sommer im Aufsichtsrat der russischen Zentr-Invest-Bank in Rostow am Don – der Nummer 85 unter den russischen Banken. Außerdem ist Welteke Medienberichten zufolge Treuhänder bei der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR). Dort wacht er dem Vernehmen nach über ein Vermögen von 600 Millionen Euro, das dem in Schieflage geratenen Immobilienfinanzierer als Nachschusskapital dient. Über die Höhe seiner laufenden Bezüge ist nichts bekannt.

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