Ernte 2013 : Mehl wird billiger, Kartoffeln nicht

Die Bauern ziehen eine durchwachsene Erntebilanz: ein gutes Jahr für Getreide, ein schlechtes für Gemüse.

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Eine Sorge weniger: Die Qualität der Sommergerste, die man neben dem Hopfen für das Bier braucht, ist dieses Jahr gut.
Eine Sorge weniger: Die Qualität der Sommergerste, die man neben dem Hopfen für das Bier braucht, ist dieses Jahr gut.Foto: dpa

Berlin - Vielleicht sollten Biertrinker in diesem Jahr auf Wein umsteigen. Wegen des langen Sommers sind die Vorzeichen für den neuen Weinjahrgang nämlich „sehr gut“, sagte Wolfgang Vogel vom Deutschen Bauernverband am Donnerstag in Berlin. Für den Hopfen hatte Vogel, der beim Verband den Fachausschuss für Getreide leitet, bei der traditionellen Erntebilanz dagegen keine guten Nachrichten. Erst kam das kalte, nasse Frühjahrswetter, dann der Hagel, der vor allem in der bayerischen Hopfenhochburg Hallertau erheblichen Schaden anrichtete – verglichen mit dem Vorjahr hat das die Ernte um fast ein Viertel dezimiert.

Der lange Winter, der feuchte Frühling, die Flut und dann noch die Unwetter im Sommer – kein leichtes Jahr für die Bauern. Das gilt vor allem für die Landwirte, die Obst und Gemüse anbauen. Die Apfelernte dürfte mager ausfallen, auch für die Pflaumen sieht es nicht gut aus. Die Erdbeeren verfaulten schon auf den Feldern, und auch für den Spargel war es viel zu kalt. Schlimm steht es auch um die Kartoffeln. Wegen des langen Winters konnten die Kartoffelbauern die Knollen erst mit vierwöchiger Verspätung in den Boden setzen. „In Sachsen haben wir die Kartoffeln sogar teilweise erst Ende Juni gepflanzt“, berichtete Vogel, der auch Präsident des Sächsischen Landesbauernverbands ist. Mit zehn Millionen Tonnen dürfte die Ernte hinter der des Vorjahres zurückbleiben, ganz zu schweigen von Spitzenwerten wie im Super-Kartoffeljahr 2004, als die Bauern 13 Millionen Tonnen aus der Erde holten.

Den Schaden haben die Verbraucher. Denn die Bauern können derzeit viel Geld für ihre Knollen verlangen. Statt 20 Euro wie im Vorjahr bekommen sie jetzt 30 Euro je 100 Kilo – den Aufschlag zahlen die Verbraucher. Im Juli waren die Lebensmittelpreise mit 5,7 Prozent so stark gestiegen wie seit fast fünf Jahren nicht mehr und lagen deutlich über der allgemeinen Inflationsrate von 1,9 Prozent. Vor allem Kartoffeln, Obst und Gemüse hatten die Preise kräftig in die Höhe getrieben. Bei den Kartoffeln wird sich der Preisanstieg zwar verlangsamen, versprach Vogel, dennoch bleiben Kartoffeln teurer als in der Vergangenheit. Das gilt auch für deutsche Äpfel, dort steigen die Preise wegen der schlechteren Ernten bereits seit zwei Jahren.

Anders sieht es beim Getreide aus. „Mit einer Spitzenernte war schon lange nicht mehr zu rechnen“, gab Vogel zu bedenken. Mit 46,8 Millionen Tonnen Getreide (plus drei Prozent) und 5,6 Millionen Tonnen Raps (plus 17 Prozent) könne man aber unterm Strich „durchaus zufrieden“ sein. Vom Winterweizen, den die Bäcker für das Brot brauchen, hat man in diesem Jahr fast zwölf Prozent mehr geerntet als im Vorjahr. „Mehl wird billiger“, glaubt Vogel daher. Das heißt aber noch lange nicht, dass auch die Preise für Brötchen, Brot oder Kekse sinken. Das Mehl hat nämlich nur einen Anteil von drei bis fünf Prozent an den Kosten, wichtiger sind – die steigenden – Arbeits- und Energiekosten. Ein Drittel des Weizens geht in die Nahrungsmittelproduktion, zwei Drittel werden zu Tierfutter. Die Verarbeitung von Weizen und Mais zu Biosprit sei in Deutschland dagegen zu vernachlässigen, heißt es beim Bauernverband. „Bei uns liegt die Quote unter einem Prozent.“

Und was ist mit dem Bier? Trotz der schlechten Hopfenernte müssen Biertrinker nicht um ihr Pils oder Kölsch fürchten, sagt Vogel. Denn der Anteil des Hopfens am Bier liege unter einem Prozent. Wichtiger für die Brauer sei es, gute Braugerste mit niedrigen Proteingehalten zu bekommen. Und das sei dieses Jahr gelungen, betont Vogel.

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