Ernteausfälle : Schlechte Ernte in Brandenburg

Erst war es extrem trocken, dann sehr nass. Brandenburgs Bauern befürchten Ausfälle von zehn Prozent bei der Ernte.

Maren Peters
Ernteausfälle
Die Einkommen der Bauern fallen.Foto: ddp

Berlin – Wegen der großen Trockenheit im April und überdurchschnittlich viel Regen im Mai erwarten die Brandenburger Bauern – anders als ihre Kollegen im Bundesgebiet – deutliche Ernteausfälle. „Wir rechnen damit, dass die Getreideernte in diesem Jahr um etwa zehn Prozent niedriger ausfällt als im Durchschnitt der vergangenen Jahre“, sagte Udo Folgart, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, dem Tagesspiegel. Das könnten auch die Verbraucher zu spüren bekommen – über steigende Preise für Brot- und Fleisch.

Unter der wochenlangen Trockenheit im April haben die Landwirte in Brandenburg besonders stark gelitten. Das liegt an den sandigen Böden, die Wasser speichern können. Für das Bundesgebiet erwartet der Deutsche Raiffeisenverband in diesem Jahr dagegen keinen Einbruch bei der Getreideernte. „Wir rechnen mit ähnlichen Erntemengen wie im vergangenen Jahr“, sagte Verbandspräsident Manfred Nüssel am Donnerstag in Berlin.

Nach Angaben von Bauernchef Folgart waren im April in Brandenburg durchschnittlich nur fünf Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen. Der Mai revanchierte sich dafür mit Hagel und Starkregen, 150 Millimeter fielen im Monatsschnitt. Das langjährige Mittel für April und Mai liegt bei 50 bis 60 Millimeter.

Das hat dem Getreide auf den Feldern kräftig zugesetzt. Statt 4,8 Tonnen je Hektar, wie im Schnitt der Jahre 2000 bis 2005, könnten die Landwirte in diesem Jahr voraussichtlich nur 4,2 Tonnen Getreide einfahren, sagte Folgart. Am meisten gelitten habe der Roggenanbau. Trotzdem sagt er: „Für die Bauern ist das keine Katastrophe.“

Dass Folgart, selbst Besitzer eines 1200 Hektar großen Hofes im Havelland östlich von Berlin, so entspannt ist, liegt an den hohen Weltmarktpreisen für Getreide. „Der Weltmarkt ist leergefegt“, sagte Folgart, der auch Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbandes ist. In großen Erzeugerländern wie Nordamerika oder Australien seien die Ernten wegen extremer Trockenheit schlecht gewesen, zudem werde in wachsenden Regionen wie Südostasien und China immer mehr Getreide benötigt. „Das wirkt sich positiv auf die Nachfrage in Europa aus“, sagt er. „Wir rechnen damit, dass der Getreidepreis in diesem Jahr um 40 Prozent über dem des Vorjahres liegen wird.“

Probleme damit hätten nur die Veredelungsbetriebe, die Getreide für die Schweine- oder Geflügelzucht brauchen und für ihr Mischfutter nun erheblich mehr bezahlen müssten als im vergangenen Jahr. Da sie langfristige Verträge mit den Schlachthöfen hätten, würden die Abnehmerpreise nicht zeitgleich nachziehen. „Man muss daher die Frage stellen, ob nicht auch für Veredelungsprodukte generell höhere Preise angebracht sind“, sagte Folgart.

Wegen des teuren Roggens und Weizens erwartet er auch steigende Brotpreise. Da der Anteil der Mehlkosten an den Gesamtkosten eines Brötchens aber nur im Centbereich liege, würden diese aber wohl nur marginal ausfallen.

Doch nicht nur das Getreide hat wegen des wilden Wetters Schaden genommen. Ernteausfälle befürchten die Erzeuger auch beim Obst. „Bei Süßkirschen und Pflaumen gibt es viele Frostschäden mit zum Teil gravierenden Ausfällen“, sagt Folgart. Bei Süßkirschen beklagen die Brandenburger Ausfälle von bis zu 80 Prozent, die Preise sind schon gestiegen. Auch bei Erdbeeren sei nur eine „mittlere Ernte“ zu erwarten. Viele Früchte seien verfault. In einer Woche ist die Ernte bereits vorbei – drei Wochen früher als üblich.

„Wir müssen uns langfristig darauf einstellen, dass das Wetter in der Region wärmer wird und uns darauf mit einem besseren Wassermanagement, aber auch mit anderen, trockenresistenten Sorten darauf einstellen“, sagte Folgart. Er appellierte an die Politik, auch neuen Techniken die Tür zu öffnen. „Die Gentechnik ist eine Chance für Länder wie Brandenburg, um mit Extremsituationen wie in diesem Jahr besser zurechtzukommen.“

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