Erntebilanz : Viel Spargel, wenig Erdbeeren

Deutsche Landwirte haben 2016 mit dem Edelgemüse eine Rekordernte erzielt – regional fällt die Bilanz aber unterschiedlich aus.

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Reihe um Reihe. Erntehelfer pflücken Erdbeeren auf einem Feld bei Hannover.
Reihe um Reihe. Erntehelfer pflücken Erdbeeren auf einem Feld bei Hannover.Foto: dpa

Deutschlands Landwirte haben in dieser Saison so viel Spargel gestochen wie nie zuvor. Die Erntemenge stieg um fünf Prozent auf den Rekordwert von rund 119 000 Tonnen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Grund dafür war den Angaben zufolge vor allem die Ausweitung der Anbaufläche auf rund 22 000 Hektar – ebenfalls ein Höchststand. Das meiste Edelgemüse wurde mit 26 800 Tonnen in Niedersachsen gestochen, gefolgt von Bayern und Brandenburg mit jeweils 19 600 Tonnen.

In Beelitz begann die Saison in diesem Jahr früh

Dennoch fällt die Erntebilanz einzelner Spargelbauern je nach Standort sehr unterschiedlich aus. „Es war eine durchwachsene Saison“, sagt beispielsweise der Brandenburger Spargelbauer Josef Jakobs. Auf den Feldern des Beelitzer Landwirts wurden die ersten weißen Stangen in diesem Jahr bereits am 1. April gestochen – außergewöhnlich früh. „Bis Mitte Mai haben wir richtig gut geerntet und den Spargel zum Kilopreis von sieben bis acht Euro verkauft“, sagt Jakobs. Nach Pfingsten allerdings habe die Kauflust der Kunden deutlich nachgelassen, die Preise seien daraufhin auf fünf bis sechs Euro je Kilo gesunken. Nur in der Woche vor dem 24. Juni, der traditionell das Ende der Saison bedeutet, hätten sich die Leute wieder verstärkt mit Spargel eingedeckt. Insgesamt haben die 350 Erntehelfer von Jakobs in dieser Saison rund 1000 Tonnen Spargel geerntet, das entspricht 4000 Kilogramm je Hektar. Jakobs Spitzenernte liegt bei 6000 Kilo je Hektar.

Schlechte Witterungsbedingungen für die Spargelbauern in Süddeutschland

Die Landwirtin Franziska Gehrer aus Durmersheim in Baden-Württemberg ist ganz und gar nicht mit der diesjährigen Saison zufrieden. „Es war nass, kalt und gab insgesamt nicht so viel“, fasst sie die vergangene Spargelernte zusammen. „Wir haben mindestens 15 bis 20 Prozent weniger gestochen als im Vorjahr.“ Spargel gedeiht bei trockener Witterung und viel Sonne am besten.

Deutliche Einbußen bei der Erdbeerernte

Mit schwierigen Witterungsbedingungen haben in diesem Jahr auch die Erdbeerbauern zu kämpfen. Die süßen Sommerfrüchte reifen wie der Spargel bei voller Sonne besonders gut. Ernst-August Winkelmann baut auf seinen 600 Hektar Land bei Klaistow in der Nähe von Beelitz vor allem Spargel an, 25 Hektar hat der Bauer für den Anbau von Erdbeeren reserviert. Den größten Teil seiner Ernte verkauft der Landwirt in dem zu seinem Unternehmen gehörenden Hofladen. Während Winkelmann mit dem diesjährigen Spargelertrag durchaus zufrieden ist, musste er bei den Erdbeeren deutliche Einbußen hinnehmen. Anfang Mai pflückten seine Mitarbeiter auf der kleinen Plantage die ersten Früchte. „Zwischendurch war es aber ziemlich kalt, sodass unser Ertrag etwa um 20 Prozent gesunken ist“, sagt er mit Blick auf den Ernteertrag im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Die meisten Erdbeeren stammen aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg

Kollegen in anderen Bundesländern dürften allerdings noch stärker als die Brandenburger Landwirte von Ernteeinbußen im Erdbeergeschäft betroffen sein. Der Statistik zufolge wurden hierzulande – wieder nach vorläufiger Schätzung des Statistischen Bundesamtes – in diesem Jahr bislang insgesamt rund 120 000 Tonnen Beeren geerntet. Zwei Drittel davon wurden in Niedersachsen (auf 3100 Hektar Anbaufläche), Nordrhein-Westfalen (2400 Hektar) und Baden-Württemberg (2100 Hektar) kultiviert. In Brandenburg gibt es mit rund 400 Hektar Anbaufläche vergleichsweise wenige Erdbeerplantagen. Den größten Ernterückgang mussten 2016 die Erdbeerbauern im kalten und verregneten „Ländle“ hinnehmen: Die Baden- Württemberger haben in diesem Jahr bislang nur rund 19 000 Tonnen der roten Beeren gepflückt und damit sogar 34 Prozent weniger als vor einem Jahr. Sarah Kramer

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