Eröffnung des Volkswagen Group Forums "Drive" : VW-Spitze entspannt in Berlin

Nach den Chaostagen und dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch eröffnet VW-Chef Winterkorn ein neues Ausstellungshaus in der Hauptstadt – doch die Führungskrise ist noch nicht beendet.

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Modell Volkswagen. Im Berliner Autoforum findet sich der größte Shop mit 600 verschiedenen VW-Modellautos aller Konzernmarken.
Modell Volkswagen. Im Berliner Autoforum findet sich der größte Shop mit 600 verschiedenen VW-Modellautos aller Konzernmarken.Foto: Mike Wolff

Diese Baustelle des Volkswagen- Konzerns kann Martin Winterkorn schließen: An diesem Dienstag eröffnet der VW-Chef in Berlin feierlich das neue Volkswagen Group Forum „Drive“ – die renovierte Repräsentanz des Autokonzerns in der Bundeshauptstadt. Nach zwei Jahren Umbauzeit, einer Investition von 15 Millionen Euro und mitten in der tiefsten Führungskrise des Konzerns soll das Zwölf-Marken-Unternehmen in der Friedrichstraße/Ecke Unter den Linden wieder glänzen. Auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und der Regierende Bürgermeister Michael Müller zählen zu den geladenen Gästen.

Die Aufmerksamkeit wird sich an diesem Dienstagabend aber wohl weniger auf die polierten Exponate auf der großzügigen, 4000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche richten. Vielmehr steht nach den dramatischen Ereignissen vom Wochenende der VW-Chef selbst im Mittelpunkt des Interesses. Im Machtkampf an der VW-Spitze hatte Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch am Sonnabend gemeinsam mit seiner Frau überraschend seinen Rücktritt erklärt. Die Attacke Piëchs („Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“) verfehlte ihr Ziel, den VW-Chef aus dem Amt zu drängen. Fraglich ist dennoch, wie angezählt Winterkorn ist. Das Interesse an seinem ersten öffentlichen Auftritt nach den Chaostagen ist deshalb groß.

Die Volkswagen-Aktie springt deutlich nach oben

An der Börse kam der Rückzug Piëchs derweil gut an. In der Hoffnung, dass nun wieder Ruhe in den Konzern einzieht, griffen Anleger zu VW-Aktien: Der Kurs sprang um 4.8 Prozent nach oben.

Im Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns, der vorerst vom früheren IG-Metall-Vorsitzenden Berthold Huber geführt wird, gibt es eine weitere Veränderung: Großaktionär Katar wird eines seiner zwei Aufsichtsratsmandate neu besetzen. Das Emirat, das 17 Prozent der Stimmrechte am VW-Konzern hält, will den Chef des Luftfahrtkonzerns Qatar Airways, Akbar Al Baker, ins Kontrollgremium entsenden. Das geht aus den jüngsten Unterlagen für die am 5. Mai geplante Hauptversammlung hervor. Zuvor hatte es noch geheißen, dass der Militärwissenschaftler und Luftwaffenpilot Sheikh Abdullah Bin Mohammed Bin Saud Al Thani VW-Aufsichtsrat werden soll. Akbar Al Baker soll den bisherigen Aufsichtsrat Ahmad Al Sayed ersetzen. Dieser hatte seine Funktion erst 2013 begonnen und wird sie nun vorzeitig beenden. Katar hatte erklärt, Winterkorn sei nur schwer zu halten, nachdem er bei Piëch „in Ungnade gefallen ist“. Doch es kam anders – vorerst.

Beobachter schließen nicht aus, dass Ferdinand Piëch nach seinem untypisch glanzlosen Rückzug nun auf Rache sinnt. Nicht ausgeschlossen wird allerdings auch sein vollständiger Abschied, einschließlich des Verkaufs seiner Volkswagen-Aktien. So oder so geht VW-Chef Winterkorn unruhigen Zeiten entgegen.

"Unknown Grounds" am Stand von VW

Bei der Eröffnung des Berliner Volkswagen Forums betritt der 67-Jährige „Unknown Grounds“ (Unbekannten Boden) – so ungewollt mehrdeutig haben die Macher der Zwölf-Marken-Ausstellung den Stand von Volkswagen Pkw überschrieben. Zum ersten Mal präsentiert der VW-Konzern alle seine Marken unter einem Dach. Und möchte dabei „Talk of the Town“ werden. „Wir wollen in Berlin wieder präsenter sein“, sagt Cornelia Schneider, die Leiterin des VW-Forums, bei einer exklusiven Besichtigung der neu gestalteten Räume. Mercedes hat das Salzufer, BMW das neue Haus am Kaiserdamm. Volkswagen ist nahezu unsichtbar an der Spree, obwohl man schon seit 1999 Unter den Linden residiert, mittlerweile mit insgesamt 60 Mitarbeitern. Es habe ein paar Jahre gedauert, aber nun nehme der Autokonzern in der Hauptstadt neuen Anlauf, sagt Schneider.

1,2 Millionen Besucher, davon 60 Prozent Touristen, zählte der Ausstellungsraum bislang pro Jahr. Künftig sollen es noch mehr werden. Der VW-Vorstand beschloss vor einigen Jahren, dass man in Berlin einen Standort brauche, an dem es um mehr als die zwölf Marken des Konzerns gehen soll. „Wir wollen neue Themen setzen, einen Raum für Debatten schaffen“, sagt Cornelia Schneider. Warum keinen literarischen Salon unter dem VW-Dach? Oder eine Reihe „Winterkorn trifft...“. Gesellschaftliche Verantwortung, Nachhaltigkeit, Jugendbegeisterung, Kulturengagement – der zweitgrößte Autohersteller der Welt sieht Nachholbedarf bei Inhalten, die man eher selten mit der Wolfsburger Marke verbindet.

Bis zu 1200 Gäste kann VW im Forum beherbergen. Ab 2016 soll hier auch die Jahrespressekonferenz stattfinden. Ein Modellauto- und Marken-Shop sowie ein Bistro und ein Gourmet-Restaurant runden das Berliner Angebot ab.

Zur Eröffnungsparty begrüßt Martin Winterkorn seinen prominentesten „Marketingleiter“: Robbie Williams. Die Pop- Größe tritt in VW-Werbespots mit der Frage „Wie gut klingt das denn“ auf und wird ein paar Songs zum Besten geben. Ein Berliner Kontrastprogramm zu den jüngsten Misstönen aus Wolfsburg.

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