Wirtschaft : Ersatzteile wieder schnell lieferbar - Fahrer und Händler können aufatmen

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"Wir haben keine Probleme mehr, neue Aufträge zu erfüllen", verkündete der VW-Konzern in dieser Woche. Seit Monaten hat VW Schwierigkeiten mit der Lieferung von Ersatzteilen. EDV-Probleme im zentralen Ersatzteillager in Kassel hatten zu einem Lieferstau von mehr als einem halben Jahr geführt. Seit fast fünf Wochen wartet zum Beispiel die Berliner VW-Fahrerin Carola Sittnik auf die Reparatur ihres neuen Polo. "Anfang Januar war das Auto geliefert worden, nach sechs Wochen blinkte die Motorwarnleuchte auf", berichtet Sittnik. Die Diagnose der Werkstatt: Ein Katalysator-Teil muss nachbestellt werden. Seither wartet sie auf das Ersatzteil. Für den ADAC ist solcher Ärger nichts Neues. "Viele Hersteller haben immer wieder Lieferschwierigkeiten", sagt Ronald Scheithauer, beim Automobilclub verantwortlich für Fahrzeugtechnik. "Doch bei Volkswagen ist es extrem."

Die Ursache für die Misere der Wolfsburger ist ein Computerprogramm. Die neue Software sollte alle Bestellungen registrieren und abarbeiten, die in der Ersatzteilzentrale in Kassel eingingen. Stattdessen konnte das Programm die Bestands-Daten nicht entschlüsseln. Ersatzteile, die eigentlich griffbereit in den Regalen lagerten, waren plötzlich nicht mehr auffindbar. Auf dem Gelände in Kassel stauten sich Waggons mit Ersatzteilen, von denen niemand wusste, wo sie hingehörten. Im Januar meldete der größte Autokonzern Europas, es werde noch etwa ein halbes Jahr dauern, bis die Ersatzteilversorgung wie früher funktioniere. Inzwischen gibt VW Entwarnung: "Die Systeme laufen stabil und ermöglichen wieder eine zügige Abwicklung." Verbesserungen sind bereits spürbar. "Früher hatten wir pro Woche durchschnittlich zwei bis drei Beschwerden", sagt ADAC-Techniker Scheithauer. "Jetzt ist es meist nur noch eine." Jede Verzögerung bei VW freut die freien Teilehändler. "Ich bemühe mich, meine Schadenfreude zu unterdrücken", sagt ein Sprecher des Gesamtverbandes Autoteile-Handel. Im Gegensatz zu den Vertragshändlern müssen die Freien nicht darauf warten, bis die Ware aus Kassel kommt. Stattdessen werden sie direkt von den Zulieferern bedient. Um Ärger mit ihren Kunden zu vermeiden, mussten einige VW-Händler ihre Vorführwagen als Ersatzteillager ausschlachten oder Teile bei der freien Konkurrenz besorgen. "Wir stehen schließlich auf der Seite des Kunden", versichert ein Händler.

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