Wirtschaft : Erst der Kotau dann die Klagen (Kommentar)

Rainer Hank

Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Martin Kohlhaussen, beschimpft die Politik. Eine massive und höchst bedenkliche Einwirkung auf die Wirtschaft beklagt Kohlhaussen im Fall Holzmann. Der Politik fehle das Verständnis dafür, wie Wirtschaft funktioniert. Der Verbandspräsident spricht von bizarren Vorgängen, die das Ansehen des Standortes im Ausland beschädigten. Am Inhalt seiner Klage ist nichts auszusetzen: Tatsächlich hat der Fall Holzmann die Schwäche der Deutschland AG bloß gelegt. Doch entscheidend ist bekanntlich nicht nur, was jemand sagt, sondern auch, wer es sagt. Kohlhaussen spricht für die Banken, die in der Holzmann-Krise eine mehr als problematische Rolle spielten. Und er gehört als Chef der Commerzbank zu der Gruppe der Gläubiger, die allesamt zu lange die Schieflage des Baukonzerns übersehen haben. Warum haben die Banken zugelassen, dass der Bundeskanzler sich bei seiner Frankfurt-Exkursion als Retter in der Not feiern ließ? Warum haben sie nicht damals schon die Kohlhaussen-Botschaft nach Berlin gekabelt, dass Einwirkungen auf ein schwebendes Insolvenzverfahren schädlich sind? "Eingriff nicht nötig - stopp." Warum haben die Gläubiger den Eindruck vermittelt, es fehlten nur ein paar Peanuts, die der Bundeskanzler dann - via Kreditanstalt für Wiederaufbau - mitbringen musste. Das wäre ein Lehrstück geworden: Die Wirtschaft zeigt der Politik, dass über die Sanierungsfähigkeit nur jene zu befinden haben, die auch direkt für die Risiken gerade stehen. Stattdessen haben sich die Banken vor dem Kanzler verneigt. Hinterher die Politik zu beschimpfen, ist nicht mehr ganz so überzeugend.

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