Wirtschaft : Erst kommt die WM, dann kommt Sony

Deutschland-Zentrale zieht im Juli nach Berlin / Elektronikkonzern verkauft die neue Playstation 3 ab November

Corinna Visser

Berlin – Der Termin steht: Sony Deutschland wird am 17. Juli seine Geschäftstätigkeit im Sony-Center am Potsdamer Platz in Berlin aufnehmen. „Wir kommen, wenn die WM vorbei ist“, kündigte Manfred Gerdes, Deutschlandchef des japanischen Elektronikkonzerns, am Dienstag an. Etwa 300 Mitarbeiter werden von Köln in die Hauptstadt ziehen. „Am Ende werden hier 450 Mitarbeiter Arbeit haben“, sagte Gerdes. Der Umzug soll bis zum Beginn des neuen Geschäftsjahres im April abgeschlossen sein. Ein weiterer Stellenabbau sei nicht geplant, sagte Gerdes. Sony hatte zuletzt in Deutschland 170 Stellen abgebaut.

Der Umzug ist Teil der Reorganisation des gesamten Geschäfts. Die Europazentrale des Konzerns mit 200 Mitarbeitern hat seit 1999 ihren Hauptsitz in Berlin. Sony hatte in den vergangenen Jahren weltweit mit sinkenden Umsätzen und Marktanteilen zu kämpfen, sagte Fujio Nishida, Präsident von Sony Europe. „Wir hatten den falschen Fokus bei den technischen Entwicklungen.“

So verpasste Sony etwa bei Fernsehern den Trend zu flachen LCD-Bildschirmen. Inzwischen holt Sony durch eine Kooperation mit Samsung wieder auf. Technische Probleme gab es auch bei der neuen Spielekonsole Playstation 3, die ab 17. November in Europa verkauft werden soll. Das kündigte Sony in Los Angeles an. Damit kommt die Konsole ein Jahr nach der Xbox 360 von Microsoft auf den Markt. „Bis zum Ende des Geschäftsjahres wollen wir weltweit sechs Millionen Stück verkaufen“, sagte Nishida. „Die Playstation 3 wird ab 499 Euro kosten.“ Damit ist sie etwa 100 Euro teurer als die Xbox 360. Im Sommer steigt Sony zudem in das Geschäft mit digitalen Spiegelreflexkameras ein.

Mit den neuen Produkten – vor allem den LCD-Fernsehern – und nach der Restrukturierung erwartet Deutschlandchef Gerdes, im laufenden Geschäftsjahr „im operativen Bereich wieder die Gewinnschwelle zu erreichen“. Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr (bis 30. März) sei es gelungen, den „operativen Verlust um 70 Prozent zu reduzieren“, sagte Gerdes. Der Umsatz sei allerdings noch einmal um zehn Prozent zurückgegangen. Genaue Zahlen nannte er nicht. „Wir sind auf gutem Weg, aber noch nicht am Ziel“, sagte Gerdes. Die Organisation sei schlanker und damit schneller geworden. So gebe es etwa statt fünf jetzt nur noch zwei Geschäftsführer. Gerdes erwartet im laufenden Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum von mehr als zehn Prozent auf dann 800 Millionen Euro. Die Zahl sei nach der Reorganisation der Geschäftsbereiche mit früheren nicht mehr vergleichbar.

Die Fußball-WM soll auch bei Sony den Verkauf von TV-Geräten ankurbeln. Gerdes strebt an, auf dem deutschen Markt von Platz vier auf Platz zwei hinter Philips aufzusteigen. Negativ werde sich aber die Mehrwertsteuererhöhung in 2007 auswirken: „Ich sehe das als sehr dramatisch an“, sagte Gerdes. „Das kann nur zu Preiserhöhungen führen.“

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