Wirtschaft : Erste Anzeichen für eine Erholung der Börsen

Im nachbörslichen Handel steigen Aktienkurse / Auch Wall Street freundlicher / Experten raten zur Gelassenheit

FRANKFURT (MAIN)/HONGKONG (dpa /rtr).Zehn Jahre nach dem großen Börsencrash von 1987 sind die Aktienmärkte am Dienstag weltweit mit Kursverlusten um die zehn Prozent drastisch eingebrochen.In Deutschland sank der Dax um 311,90 Punkte oder 8,04 Prozent auf einen Schlußstand von 3567,22 Punkten.Der Dax hat damit seit seinem Höchststand Ende Juli knapp 20 Prozent verloren, liegt aber immer noch um 25 Prozent höher als am Jahresanfang.In New York gab es am Nachmittag dann erste Anzeichen für eine Erholung.Der Dow Jones, der zuerst mit weiteren Kursverlusten eröffnet hatte, drehte ins Plus und stand nach einer Stunde mit 7285 Punkte um 1,7 Prozent über dem Vortag.Daraufhin stabilisierten sich auch in Deutschland im nachbörslichen Computerhandel die Kurse.Der Ibis-Dax endete beim Stand von 3645,90 Punkten und damit 78,68 Punkte über dem Schlußstand der Präsenzbörse.Im gesamten Europa waren die Börsen zuvor abermals in den Sog der asiatischen Märkte geraten, die wiederum auf den Kursschock der Wall Street am Vorabend reagiert hatten.Wirtschafts- und Finanzexperten bewerteten die Verluste allerdings eher als Kurskorrektur.Von einem neuen Crash wollten Händler in Frankfurt und London nicht sprechen.Die Folgen für die Konjunktur in Europa und den USA sahen Experten als gering an.Die Verluste an den Börsen in London, Paris, Frankfurt, Mailand, Zürich oder Wien erreichten fast zehn Prozent. "Die Kursentwicklung an den deutschen Aktienmärkten ist eine Reaktion auf die weltweite Entwicklung an den Finanzmärkten", erklärte Finanzminister Theo Waigel in einer Stellungnahme.Während in Südostasien wirtschaftspolitischer Korrekturbedarf bestehe, seien die Konjunkturdaten in den USA, Europa und Deutschland sehr solide.Für den Präsidenten des Sparkassen- und Giroverbandes, Horst Köhler, hängt der Einfluß auf die Konjunktur von dem Ausmaß der Kurskorrektur ab.Sollte sie sich zwischen fünf und sieben Prozent bewegen, "wird sich schon ein Effekt auf das realwirtschaftliche Wachstum ergeben", sagte er der ARD.Das würde das Wachstum dämpfen, und zwar in einer Größenordnung von 0,3 bis 0,5 Prozentpunkten. Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute sehen in der Börsenentwicklung "gewisse Risiken", aber keinen Grund zum Pessimismus.Es gebe keinen engen Zusammenhang zwischen Aktienkursen und Konjunktur, sagte Joachim Scheide vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel.Heiner Flassbeck vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung empfahl eine Intervention der Zentralbanken, falls sich der Abwärtstrend fortsetzen sollte. Am deutschen Aktienmarkt schließen Händler und Investoren nach den schweren Verlusten vom Dienstag weitere Einbußen nicht aus.Viele Investmentfonds und Banken rieten den privaten Anlegern, vorerst weder zu verkaufen noch zu kaufen.Angesichts niedrigerer Zinsen und anziehender Konjunktur in Deutschland schätzten aber viele deutsche Investmentprofis die mittelfristigen Chancen für die deutsche Börse durchaus optimistisch ein. Die Volkswagen AG teilte am Donnerstag mit, die geplante Kapitalerhöhung werde wegen der Kursstürze auf unbestimmte Zeit verschoben."Angesichts der Entwicklung auf den weltweiten Kapitalmärkten" habe der VW-Vorstand beschlossen, die Kapitalerhöhung zu verschieben, hieß es in einer Pflichtmitteilung.Wann die neuen Stammaktien herausgegeben werden, werde "in Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung der Kapitalmärkte entschieden".

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