• Erste Arbeitswoche startet ohne Komplikationen - Milliardeninvestitionen vor Jahreswechsel haben sich ausgezahlt

Wirtschaft : Erste Arbeitswoche startet ohne Komplikationen - Milliardeninvestitionen vor Jahreswechsel haben sich ausgezahlt

Kurt Sagatz

Der erste Arbeitstag nach dem Datumswechsel verlief in der deutschen Wirtschaft nahezu reibungslos: Das befürchtete Computerchaos blieb am Montag genauso aus wie schon am Sonnabend bei den Infrastruktursystemen. Von allen Seiten der Kreditwirtschaft, des Produzierenden Gewerbes, dem Handel oder dem Verkehr hieß es auf Anfrage: "Alles im grünen Bereich." Auch aus dem Ausland gab es bis auf kleinere Ausnahmen keine Alarmmeldungen. So liefen beispielsweise in der Europäische Währungsunion die Systeme nach dem Hochfahren einwandfrei und auch an den Börsenplätzen herrschte "Business as usual".

Zu zeitweiligen Problemen kam es allerdings bei der Postbank, die jedoch nicht in direktem Zusammenhang mit der Datumsproblematik standen. Der Zusammenbruch wurde vielmehr damit begründet, dass viele Kunden die Gutschrift der Habenzinsen auf ihr Sparkonto zeitgleich am Montag vornehmen wollten. Die Zahl der Transaktionen stieg zwischen 10 und 12 Uhr von üblicherweise 30 000 auf über 120 000 pro Stunde, so Pressesprecher Joachim Strunk. Dass bei anderen Instituten dieses Problem nicht auftrat, begründete Strunk mit der hohen Zahl von Sparkonten. Mit 20 Millionen ist die Postbank Marktführer in diesem Bereich.

Der temporäre Zusammenbruch bei diesem Institut blieb am Montag die Ausnahme, obwohl viele Experten gerade mit Blick auf den Anfang der ersten Arbeitswoche im neuen Jahrtausend davor gewarnt hatten, beim so genannten Y2K-Fehler allzu früh Entwarnung zu geben. Dass auch dieses Datum ohne nennenswerte Folgen blieb, hat in der Finanzwirtschaft vor allem damit zu tun, dass die Institute und Einrichtungen bereits zum Jahreswechsel 1998/99 mit der Euro-Einführung ihre Systeme nahezu komplett überprüfen mussten. So wird auch die immense Investitionssumme von einer Milliarde Mark, die von der Deutschen Bank seit 1996 in neue Anlagen und Programme gesteckt wurde, relativiert. Darum hat Deutsche-Bank-Pressesprecher Klaus Thoma auch keinerlei Sorgen, wie sein Institut den Aktionären auf der nächsten Hauptversammlung die großen finanziellen Anstrengungen erklären soll. "Das sind Investitionen in die Zukunft, die über die Jahr-2000-Fähigkeit hinausgehen", sagt der Sprecher und beugt damit möglicherweise aufkommendem Begründungsdruck vor.

Nicht minder große Anstrengungen hat der Automobilbau-Konzern VW für die Datumsfähigkeit von Produktion und Verwaltung aufgebracht: Auf eine halbe Milliarde Mark belaufen sich die Aufwendungen für das Unternehmen und seine Töchter, so Sprecher Kurt Rippholz, dessen Unternehmen 1999 rund fünf Millionen Autos produziert hat. Am Montag sprach nichts dagegen, dass die Tagesproduktion auch an diesem Tag seine normale Höhe erreicht. Bereits am Sonnabend wurde die Systeme wieder hochgefahren, am Sonntag lief der Testbetrieb unter regulären Bedingungen. Um dies sicherzustellen hatte der Konzern seit April 1996 nach eigenen Angaben rund 15 000 Personal Computer und eine halbe Million weiterer technischer Objekte getestet und überprüft. Hierbei sei von vornherein darauf geachtet worden, auch bei den 5000 Lieferanten und Händlern die Systeme den Wechsel komplikationsfrei überstehen.

Für die Lufthansa war der Sorge vor dem Millenniums-Fehler bereits am Sonnabendmittag im wesentlichen abgehakt. Zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass die Flugsicherheit gewährleistet ist. Da das Reservierungssystem bereits seit Anfang 1999 mit dem 2000er Datum problemlos gerechnet hat, konnte das für den Jahreswechsel eingerichtete Command Center am 1. Januar bereits mittags zugunsten einer Rufbereitschaft aufgelöst werden, so Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty. Mit 89 Millionen Mark hielten sich die Investitionen in die Y2K-Problembehebung bei der Airline überdies in Grenzen, da die eingesetzten Systeme ohnehin jüngeren Datums sind.

Auf die guten Vorbereitungen führt es auch der Berliner IHK-Pressesprecher Egbert Steinke zurück, dass computerbezogene Schreckensmeldungen aus der Wirtschaft ausblieben. Mit der Euro-Einführung habe es quasi ein Doppelvorbereitung auf das kritische Datum gegeben. Durch die kurzen Investitionszyklen seien auch in der mittelständischen Wirtschaft genügend Vorbereitungen getroffen worden.

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