Erste Hauptversammlung nach Germanwings-Unglück : Wie geht es weiter mit der Lufthansa?

Am Mittwoch findet in Hamburg die Hauptversammlung der Lufthansa statt. Nach dem Germanwings-Absturz hat das Unternehmen noch lange nicht zur Normalität zurückgefunden. Und die Strategie des Vorstandschefs Carsten Spohr für den Konzern ist umstritten.

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Die Lufthansa bleibt im Ausnahmezustand.
Die Lufthansa bleibt im Ausnahmezustand.Foto: AFP

Nur langsam schwindet der Schock über den mutmaßlich absichtlich herbeigeführten Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen. Von Normalität ist die Lufthansa auch fünf Wochen nach dem schwersten Unglück in ihrer Geschichte mit 150 Toten weit entfernt. Dies wird auch am heutigen Mittwoch auf der Hauptversammlung in Hamburg deutlich werden. Auch für den seit Mai 2014 amtierenden Lufthansa-Chef Carsten Spohr war es entsetzlicher Tiefpunkt in einem auch geschäftlich schwierigen Jahr.

 Spohr hat die Herausforderungen nach dem Unglück anerkannt angemessen und würdevoll bewältigt und tut alles, um ein ähnliches Ereignis in Zukunft unter allen Umständen zu verhindern. Der Absturz hat freilich die geschäftlichen Probleme, den immer noch nicht gelösten Streit mit den Piloten und die Herausforderungen des Wettbewerbs in den Hintergrund treten lassen. Im Hamburger Congress Center werden sie nach einem Gedenken der Aktionäre an die 150 Opfer wieder zum Thema werden - verbunden mit Kritik am Vorstand, etwa von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK), die sich bei der Entlastung des Vorstandes wegen der schlechten Ergebnisses und des Ausfalls der Dividende enthalten will. Andere Aktionärsvertreter gehen mit Spohr und seinen Kollegen im Vorfeld des Treffens weniger hart ins Gericht. Er habe sich in seinem ersten Jahr einfach zu viel vorgenommen. Man müsse ihm mehr Zeit gehen.

 Billigflieger bringen die Airline in Bedrängnis

Die aber haben Spohr und die Lufthansa eigentlich nicht. In Europa werden Billigflieger wie Ryanair, Easyjet oder Vueling zu einer immer größeren Herausforderung. Spohr hält mit Germanwings, die schon Ende des Jahres in der neu aufgestellten Eurowings aufgehen wird, dagegen. Durchaus mit Erfolg. Aber auch Germanwings fliegt noch zu teuer, bei Eurowings soll es noch günstiger werden, um 40 Prozent unter den Kosten von Lufthansa. Sie nimmt den Preiskampf ab Herbst auch auf Fernstrecken an. Die Lufthansa selbst wird wieder erste touristische Ziele in der Karibik und im indischen Ozean anfliegen. Im klassischen Passagiergeschäft ringt die Airline Lufthansa weiter vor allem mit der starken Konkurrenz der Golf-Gesellschaften um Emirates und Etihad. In den Flugzeugen soll der Komfort deshalb weiter steigen, um vor allem gut zahlende Geschäftsreisende an das Unternehmen zu binden und neue anzulocken. Bis 2025 will Lufthansa satte 272 neue Flugzeuge in Dienst stellen.

 Schon vor dem Unglück ging es dem Konzern schlecht

Das alles aber kostet viel Geld. Allein die neuen Jets verschlingen laut Liste 38 Milliarden Euro. Und das Konzept muss gegen den Widerstand vor allem der Piloten durchgesetzt werden. Seit der Katastrophe bei Germanwings ruht der Konflikt verständlicherweise, der sich vordergründig um die üppige Vorruhestandsregelung dreht, bei dem es aber auch um die Billigkonzepte geht. Und der bislang mit elf Streiks seit April 2014 für Ausfälle von rund 300 Millionen Euro gesorgt hat.

 Dies hat das ohnehin enttäuschende Ergebnis der Lufthansa 2014 zusätzlich belastet. Zwei Mal musste Spohr im vergangenen Jahr die Gewinnprognose revidieren. Nach deutscher Rechnungslegung rutschte die Lufthansa im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 30 Milliarden Euro mit 732 Millionen Euro in die Miesen. Die Dividende fällt logischerweise aus. Bedenklicher aber ist nach Ansicht von Experten, dass sich die Nettoschulden auf 3,4 Milliarden Euro verdoppelt haben, die Pensionslasten massiv gewachsen sind und das Eigenkapital auf eine Quote von nur noch 13,2 Prozent geschrumpft ist. Schon machen Gerüchte über eine Kapitalerhöhung die Runde.

 2015 soll der Gewinn steigen

Entlastung kommt immerhin durch die deutlich gesunkenen Treibstoffpreise, auch wenn der starke Dollar einen Teil dieses Effektes wieder zunichte macht. Unter dem Strich rechnet Spohr 2015 mit einem Betriebsgewinn von 1,5 Milliarden Euro, fast 600 Millionen mehr als 2014 - wenn die Piloten nicht doch wieder streiken und vor allem gut zahlende Kunden abspringen, weil sie der damit verbundenen Widrigkeiten überdrüssig sind. An Herausforderungen mangele es auch 2015 nicht, weiß Spohr sehr genau.

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