• Erste Krankenkasse bietet Tarif mit Selbstbeteiligung an Versicherte können wählen Gabriel: Staat soll Kassen finanzieren

Wirtschaft : Erste Krankenkasse bietet Tarif mit Selbstbeteiligung an Versicherte können wählen Gabriel: Staat soll Kassen finanzieren

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Berlin (brö/dpa). Die Techniker Krankenkasse (TK) will ab 2003 einen Tarif mit Selbstbehalt ähnlich der privaten Krankenversicherung einführen. Bis zu einem Betrag von 300 Euro sollen Patienten die Behandlungskosten selbst zahlen, erklärte ein Sprecher der Kasse am Mittwoch im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Unterdessen sprach sich Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel dafür aus, das bislang rein beitragsfinanzierte Gesundheitssystem auch mit der Hilfe von Steuern zu finanzieren.

Ziel des neuen TKTarifs sei es, mehr Kostenbewusstsein bei den Versicherten zu wecken und Gutverdienende in der gesetzlichen Versicherung zu halten, hieß es. Das Modell, das als Versuch bis Ende 2007 läuft, funktioniert so: Am Beginn des Jahres bekommt der Versicherte 240 Euro ausbezahlt. Bleibt er in den kommenden zwölf Monaten gesund, kann er das Geld behalten. Wenn nicht, muss er pro Arztbesuch 20 Euro zahlen. Wer ins Krankenhaus muss, hat den Betrag bereits am ersten Tag aufgebraucht. Vorsorgeuntersuchungen und Behandlungen von Kindern übernimmt jedoch in jedem Fall die Kasse. Wer 2000 Euro im Monat verdient, zahlt damit in Zukunft faktisch 11,7 Prozent Sozialbeitrag – der TK-Normalbeitrag liegt bei 13,7 Prozent. Wer mehr als die neue Versicherungspflichtgrenze von 3825 Euro verdient, bekommt eine Ermäßigung auf 12,7 Prozent. Die TK ist die drittgrößte Kasse in Deutschland, bei der 3,4 Millionen Beitragszahler versichert sind.

Der niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) hat unterdessen eine Teilfinanzierung der gesetzlichen Krankenkassen durch Steuern vorgeschlagen. In seinem Buch „Mehr Politik wagen“, das dem Magazin „Stern“ vorliegt, verlangt er, die Kassen müssten sich neben Beiträgen „auch andere Einnahmequellen erschließen“. Dafür seien Steuern „die gerechteste Form“. Notwendig sei auch eine zumutbare Eigenbeteiligung an den Krankheitskosten. Gabriel meinte, das klassische Beschäftigungsverhältnis reiche als Bemessungsgrundlage für die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung künftig nicht mehr aus.

Gabriel sprach sich außerdem dafür aus, den Leistungskatalog der Krankenkassen zu überdenken. Dabei gehe es „um überflüssige Medikamente und solche zu überhöhten Preisen“. Es könne auch nicht Aufgabe der Kassen sein, jede Bagatell-Erkrankung in ihre Obhut zu nehmen.

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