Wirtschaft : Erste UMTS-Firma am Ende

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Berlin (msh). Der Mobilfunk-Neuling Quam gibt auf. Nach hohen Verlusten sollen keine neuen Kunden mehr geworben werden, beschlossen die Muttergesellschaften von Quam, die spanische Telefónica und die finnische Sonera. Die Kunden könnten aber vorerst weiter mit ihren gewohnten Nummern telefonieren, sagte ein Sprecher von Quam. Die 15 Quam-Geschäfte in den deutschen Metropolen würden geschlossen. Ob die Konzerne auch ihr Geschäft mit der Zukunftstechnik UMTS in Deutschland aufgeben werden, ist noch unklar. Nach Einschätzung von Branchenexperten ist der Verkaufsstopp aber der Anfang vom Ende.

Telefónica und Sonera ersteigerten vor zwei Jahren für 8,5 Milliarden Euro eine UMTS-Lizenz. Der Mobilfunkstandard UMTS ermöglicht neben der Sprachübermittlung auch die schnelle Übertragung von Daten. Die Telekommunikationsfirmen erhofften sich davon ein lukratives Geschäft. Mit Quam sollten schon vor dem UMTS-Start Kunden geworben werden. Die rund 200 000 Quam-Kunden telefonieren mit dem Mobilfunknetz von E-Plus, mit dem ein Kooperationsvertrag besteht.

Quam-Mehrheitseigner Telefonica räumte jetzt ein, seine Ziele verfehlt zu haben. Die verspätete Einführung der UMTS-Technik lasse neuen Anbietern auf dem deutschen Markt keine Chance, eine ausreichende Zahl an Kunden zu gewinnen, heißt es in einer Stellungnahme. Die ursprüngliche Annahme, UMTS werde die Marktposition der hiesigen Mobilfunkanbieter wie Deutsche Telekom, Vodafone oder E-Plus ins Wanken bringen, traf nicht ein.

Die bislang sechs UMTS-Firmen ächzen unter den horrenden Lizenzgebühren und den Milliarden-Investitionen für den Aufbau des Netzes. Bei Quam kommt erschwerend hinzu, dass der Neuling bis vor kurzem keinen einzigen Kunden hatte. „Für die Kundenwerbung sind weitere Milliarden-Investionen notwendig. Das rechnet sich auf Jahre nicht“, sagte Frank Rothauge, Telekom-Analyst der Privatbank Sal. Oppenheim, dem Tagesspiegel. Daher sei auch nicht wahrscheinlich, dass ein neuer Investor auftaucht, der Quam übernehmen könnte.

Zu den weiteren Plänen in Sachen UMTS äußerte sich Telefónica am Donnerstag nicht eindeutig. Die Entscheidung zum Rückzug gelte, „bis sich die technischen Bedingungen und die Marktlage entscheiden verbessern“, teilte Telefónica mit. Wie Sonera hat auch Telefónica den Wert der UMTS-Lizenz im zweiten Quartal auf einen Restwert in der Bilanz abgeschrieben. Beide Firmen mussten daher in ihren aktuellen Quartalsberichten einen Milliardenverlust ausweisen.

Nach Angaben der zuständigen Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post kommen zwei Alternativen in Betracht: Entweder Telefónica und Sonera geben ihre Lizenz zurück oder sie verkaufen ihre Anteile an Quam. Allerdings dürfen nicht die anderen UMTS-Firmen bei Quam einsteigen. Sollte der Mobilfunkanbieter den Ausbau des UMTS-Netzes stoppen, wird die Regulierungsbehörde erst nach dem 31. Dezember 2003 aktiv. Zu diesem Zeitpunkt müssen die UMTS-Betreiber laut Lizenzbedingungen 25 Prozent der Bevölkerung mit dem neuen Service versorgen. Ist dies nicht der Fall, fällt die Lizenz an die Regulierungsbehörde zurück.

Betroffen von dem Ende Quams ist auch der Mobilfunkanbieter E-Plus, die Nummer drei auf dem deutschen Markt. Quam-Kunden telefonieren mit dem E-Plus-Netz. Das Geschäftsvolumen sollte nach Angaben von E-Plus rund 650 Millionen Euro bis 2006 betragen. Die beiden Firmen bauen in Deutschland auch das UMTS-Netz gemeinsam. Davon versprachen sie sich Einsparungen von rund 750 Millionen Euro. Sollte Quam den Ausbau des UMTS-Netzes stoppen, sei der Kooperationvertrag hinfällig, sagte ein Sprecher der E-Plus-Muttergesellschaft KPN. Dadurch könne es zu einer „leichten Verzögerung“ des UMTS-Starts kommen.

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