Wirtschaft : Erste Warnstreiks bei der Telekom

In Berlin legten 250 Beschäftigte die Arbeit nieder

Corinna Visser

Berlin - Rund 1000 Beschäftigte der Deutschen Telekom haben am Mittwoch in Berlin und Niedersachsen gegen die vom Konzern geplante Ausgliederung von 50 000 Mitarbeitern in neue Servicegesellschaften protestiert. 250 tarifliche Angestellte an den Berliner Standorten in der Hauptstraße in Schöneberg und der Köpenicker Allee in Lichtenberg traten ab sechs Uhr jeweils zu ihrem Dienstbeginn in einen Warnstreik, teilte die Gewerkschaft Verdi mit. Außerdem gab es erste Warnstreiks an vier Standorten in Niedersachsen. Verdi will die Warnstreiks fortsetzen und in Berlin auch ausweiten. „Wir lassen uns nicht von unserem Weg abbringen“, sagte ein Telekom-Sprecher. „Wir setzen weiter auf Verhandlungen.“ Die Verhandlungen sollen am heutigen Donnerstag fortgesetzt werden. Als weiterer Termin wurde bereits der kommende Montag vereinbart.

Die Deutsche Telekom will mindestens 50 000 Mitarbeiter zum 1. Juli in neue Servicegesellschaften auslagern. Dort sollen sie länger arbeiten – mindestens 38 statt bisher 34 Stunden – und weniger verdienen. Die Telekom will nach eigenen Angaben die Arbeitsbedingungen an das Marktumfeld anpassen. Betroffen von der Ausgliederung sind Mitarbeiter der Call-Center, der technischen Infrastruktur und des technischen Kundendienstes. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi betrifft dies mindestens 4500 Mitarbeiter in Berlin. Von den rund 9000 Mitarbeitern, die die Telekom nach eigenen Angaben in Berlin beschäftigt, wäre somit jeder zweite betroffen, befürchtet Verdi.

In der Schöneberger Hauptstraße ist der technische Kundendienst angesiedelt. Das sind die Mitarbeiter, die zum Beispiel die Kabel in der Erde vergraben. Der Warnstreik könne dazu führen, dass einige Bauarbeiten nun etwas später fertig werden“, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft dem Tagesspiegel. Dass auch im Call-Center in der Köpenicker Allee gestreikt wurde, sei für die Kunden eher spürbar gewesen. „Dort dürfte die schlechte Erreichbarkeit am Mittwoch noch schlechter gewesen sein“, sagte der Gewerkschafter. Die Telekom beschäftigt allerdings auch in Berlin noch viele Beamte, die nicht streiken.

Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder, der auch im Aufsichtsrat der Telekom sitzt, wollte keine Prognose abgeben, wie lange die Verhandlungen mit dem Konzern noch andauern werden. „Bisher hat die Telekom nur taktiert, anstatt inhaltlich zu diskutieren“, beschrieb Schröder die bisherigen Verhandlungsrunden. „Es sieht so aus, als spiele die Telekom auf Zeit, um die Beschäftigten dann vor vollendete Tatsachen zu stellen.“

Öffentlich hatte die Telekom bereits angekündigt, dass sie vor allem die Einstiegsgehälter in den neuen Servicegesellschaften drastisch reduzieren will. Berufsanfängern will sie künftig 20 000 statt bislang zwischen 30 000 und 34 000 Euro jährlich zahlen. Verdi lehnt das als inakzeptabel ab. Vor allem will die Gewerkschaft aber zunächst über die Bedingungen der 50 000 Mitarbeiter reden, die bei der Telekom bereits beschäftigt sind und in die neuen Gesellschaften wechseln sollen. „Die Leute haben die Nase voll von der Taktiererei“, sagte Schröder.

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