Wirtschaft : Erster Gasversorger legt Preiskalkül offen

Eon-Hanse wehrt sich gegen Wucher-Vorwurf – doch Verbraucherschützern gehen die Angaben noch nicht weit genug

Anselm Waldermann

Berlin - Als erster Gasversorger in Deutschland hat Eon-Hanse seine Preiskalkulation offen gelegt. Damit gab das Unternehmen dem Druck durch das Landgericht Hamburg nach, das mehr Transparenz bei der Preisgestaltung verlangt hatte. Die Interpretation der vorgelegten Zahlen fiel jedoch sehr gemischt aus. So betonte Eon-Hanse-Chef Hans-Jakob Tiessen, dass sein Unternehmen noch nicht einmal die gestiegenen Gas-Beschaffungskosten an seine Kunden weitergereicht habe. Ab 2006 müssten die Gaspreise deshalb sogar noch einmal steigen. Dagegen erklärten Verbraucherschützer, dass sich die Kalkulation nach wie vor nicht nachvollziehen lasse. „Das ist ein schönes Rechenergebnis, aber der Rechenweg fehlt“, sagte Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher dem Tagesspiegel.

Eon-Hanse – eine Tochter des größten deutschen Energiekonzerns Eon – beliefert rund 500 000 Privatkunden im Großraum Hamburg mit Gas. Nachdem das Unternehmen seine Preise seit Oktober 2004 insgesamt um 25 Prozent angehoben hatte, erhob sich eine Welle des Widerstands. Mit einer Sammelklage vor dem Landgericht Hamburg versuchten 54 Kunden mit Unterstützung der Verbraucherzentrale, eine Bekanntgabe der Kalkulation zu erreichen. Das Gericht legte Eon-Hanse daraufhin nahe, seine Preise transparent zu machen.

Dem ist das Unternehmen nun nachgekommen. Demnach sind die jüngsten Preiserhöhungen ausschließlich auf gestiegene Einkaufspreise für Gas zurückzuführen. Diese Bezugskosten seien für einen durchschnittlichen Privatkunden von 1,72 auf 2,33 Cent je Kilowattstunde gestiegen. Eon-Hanse bezieht sein Gas von vier Vorlieferanten: Wingas, Shell, Exxon-Mobil und VNG. Auf den internationalen Märkten hat sich Gas in den vergangenen Monaten wegen der stark steigenden Nachfrage deutlich verteuert.

Dagegen sind die Netzkosten, die als möglicher Posten für versteckte Gewinne gelten, laut Eon-Hanse konstant geblieben (siehe Grafik). Die Gewinn-Marge habe sich entsprechend fast um die Hälfte verringert. Die Zahlen wurden dem Unternehmen zufolge von unabhängigen Wirtschaftsprüfern testiert. Dem Eon-Beispiel will nun auch RWE folgen. Ab kommendem Jahr will der Konzern seine Preise ebenfalls transparent machen.

Verbraucherschützer bleiben dennoch skeptisch. „Die gesamte Kalkulation ist wie eine Blackbox“, sagte Peters vom Bund der Energieverbraucher. So könnten in den Netzkosten immer noch Gewinne versteckt sein, zum Beispiel in Form von kalkulatorischen Abschreibungen. Auch sei die Aufteilung der Kosten auf die verschiedenen Abnehmergruppen – vor allem zwischen Privatkunden und Industriekunden – noch unklar. „Wenn die Gaspreise angeblich nur ein durchlaufender Posten sind, ist es vollkommen unverständlich, warum die Konzerne so hohe Gewinne machen“, sagte Peters. Er hoffe nun auf die Bundesnetzagentur, die ab kommendem Jahr die Gasnetzentgelte untersuchen wird.

Auch die Verbraucherzentrale Hamburg äußerte sich zurückhaltend. Die von Eon-Hanse aufgeführten Kostenbestandteile seien bislang nur Behauptungen, sagte Geschäftsführer Günter Hörmann. Nun sei wieder das Landgericht am Zug. Es will sich am 8. Dezember erneut mit dem Fall beschäftigen.

Derweil kündigte Eon-Hanse-Chef Tiessen für das kommende Jahr bereits die nächste Preisrunde an. Ab Januar sollen die Verbraucher im Raum Hamburg erneut zehn Prozent mehr für Gas bezahlen. Eine durchschnittliche Gasrechnung erhöhe sich dadurch um 100 Euro.

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