Wirtschaft : Erster internationaler Raumfahrtverbund der Geschichte

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Nachdem sich die europäische Luftfahrtindustrie mit dem Mammutprojekt EADS zusammengetan hat, will sich nun auch die Raumfahrtbranche konsolidieren. Zu diesem Zweck werden die drei größten Firmen des Kontinents auf diesem Markt heute das Gemeinschaftsunternehmen Astrium gründen.

Dazu bringen DaimlerChrysler Aerospace, die französische Matra Marconi Space sowie die britische BAE Systems ihre All-Aktivitäten ein, um einen den weltweiten Markt mitbestimmenden Wettbewerber zu gründen. Die neue Firma vereint 7500 Mitarbeiter unter ihrem Dach, die einen Jahresumsatz von etwa 3,9 Milliarden Mark erwirtschaften - mit militärischen wie zivilen Satelliten, Bodenkontrollsystemen, Raketen- und Raumschiffkomponenten, Raumfahrtforschung, Telekommunikation und Navigation. Astrium wird ihren Sitz in den Niederlanden haben, den Posten des Chief Executive Officer wird der Franzose Amand Carlier übernehmen. Sein Ziel ist es, Astrium zu einem Komplettanbieter in Sachen Raumfahrt zu machen sowie die Position drei auf dem Weltmarkt zu halten und auszubauen. Die wichtigsten Standorte in Deutschland sind Bremen, Friedrichshafen, Lampoldhausen und Ottobrunn.

Die Astrium-Gründung ist der erste grenzüberschreitende Konsolidierungsversuch in der Raumfahrtindustrie. Ende der achtziger Jahre hatten sich bereits in Deutschland Unternehmen wie MBB, Dornier und andere unter dem Dach der Dasa zusammengetan, in Frankreich verschmolzen ebenfalls die größten Anbieter dieses Segments. "Diese Erfahrungen werden uns bei der Integration behilflich sein", versprach Astrium-Chef Carlier. Für weitere Partner sei er offen - mit dem italienischen Hersteller Alenia gebe es bereits intensive Verhandlungen, und auch die Raumfahrtaktivitäten der spanischen Casa seien willkommen. Größere Umstrukturierungen soll es Carlier zufolge in der neuen Firma nicht geben, jeder Standorte solle sich vielmehr auf dem Gebiet spezialisieren, auf dem er schon bisher tätig war. Transatlantische Allianzen werde es trotz der momentan schwierigen Geschäfte in der Satellitenbranche nicht geben, glaubt Carlier, denn obwohl US-Firmen wie Boeing ihre Bereitschaft signalisiert hätten, seien dazu die administrativen Hürden noch zu hoch.

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