Wirtschaft : Erster Stein für die Gläserne Fabrik

DRESDEN (rah). Für die gläserne Manufaktur des VW-Konzerns ist in Dresden der Grundstein gelegt worden. Das Montagewerk für Luxusautos sei ein Bekenntnis von Volkswagen zu den neuen Bundesländern, sagte VW-Vorstandschef Ferdinand Piëch am Dienstag im Beisein von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Mit einem Investitionsvolumen von rund 365 Mill. DM entstünden rund 800 Arbeitsplätze.Die Manufaktur, deren Eröffnung spätestens zum Jahreswechsel 2000/2001 geplant ist, stehe symbolisch für die Unternehmenspolitik von VW, sagte Piëch. Vor den Augen der Kunden solle in Dresden aus vorgefertigten Teilen das Top-Fahrzeug der automobilen Oberklasse von Volkswagen zusammengesetzt werden. Nach Angaben von Piëch können täglich bis zu 150 Fahrzeuge vom Band rollen. Mit der Manufaktur entstehe in einer der schönsten deutschen Städte eine Symbiose zwischen industrieller Produktion und Kultur, sagte Bundeskanzler Schröder. Auch Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) lobte das Projekt als einmalig in der Automobilindustrie.Der Bundeskanzler würdigte bei der Grundsteinlegung zugleich die Leistung und Bedeutung der deutschen Automobilindustrie. Durch den Aufholprozeß der Branche in den vergangenen Jahren seien in Deutschland nicht nur die Arbeitsplätze in der Automobilindustrie sicherer geworden, es habe sich auch im Osten eine Zulieferindustrie ausbilden können. Für die Automobilproduktion und den weltweiten Absatz seien weiter gute Rahmenbedingungen notwendig. Indirekt nahm Schröder Bezug auf die Diskussion um Tempolimits bei Sommersmog. Zwar müßten die Rahmenbedingungen für die Gesundheit ebenfalls stimmen. Jedoch sollte man bei neue Regelungen "genau hinsehen", was wirklich hilft, sagte der Bundeskanzler.Bei dem in Dresden gefertigten Luxus-VW "D 1" soll es sich um einen bis zu 150 000 DM teuren Wagen mit Zwölfzylinder-Motor, rund 450 PS und sechs Litern Hubraum handeln. Am Rande der Grundsteinlegung protestierte eine kleine Gruppe mit Trillerpfeifen und Transparenten "Warum 400 PS-Luxus statt Drei-Liter-Autos für alle?" gegen das Projekt. Volkswagen will mit der transparenten Fabrik den Autokauf zum Erlebnis machen. In der Freizeitanlage der Manufaktur bildeten Kunstausstellungen, virtuelle Testfahrten und ein Restaurant in einem besonderen Ambiente den Rahmen dafür, sagte Konzernchef Piëch. Zudem organisiere VW auf Wunsch der Kunden Opernabende, Elbdampferfahrten oder Besuche in der Porzellan-Manufaktur Meißen.VW-Chef Piëch, Bundeskanzler Schröder und Sachsens Ministerpräsident Biedenkopf zeigten sich bei der Dresdner Grundsteinlegung in trauter Eintracht. Schröder sprach mit Stolz von "uns Automännern". Biedenkopf hatte sich im Streit mit der EU-Kommission um Beihilfen für das sächsische VW-Werk stark für Europas größten Autohersteller ins Zeug gelegt. In Dresden selbst dagegen gab es lange Zeit Zweifler, die ein solches Autowerk nicht am Rande ihres Großen Gartens sehen wollten. Ein Bürgerbegehren scheiterte jedoch. Für VW kam in Dresden nur dieser Platz in Frage - sonst hätte man eine andere Stadt bevorzugt.In der Fabrik wird das fertige Fahrzeug zunächst in einen 40 Meter hohen Glasturm und dann unterirdisch in ein Empfangsgebäude gebracht. Dort ist neben einem Restaurant auch eine Kunstausstellung geplant. VW geht davon aus, daß auch zahlreiche Dresdner und auswärtige Touristen den Weg zum Straßburger Platz finden. Das Unternehmen rechnet mit 150 000 bis 200 000 Besuchern pro Jahr. Die lackierten Rohkarossen des künftigen Luxuswagens, mit dem VW dem 7er BMW und der Mercedes-Oberklasse Konkurrenz machen will, werden im VW-Werk in Mosel gefertigt. Danach wird das Material in ein Logistikzentrum am Rande Dresdens geliefert und mit einer eigens entwickelten Straßenbahn direkt zur "Gläsernen Manufaktur" transportiert. Die Montage des Cockpits, das Anpassen von Einzelteilen wie Stoßstange, Kühler und Scheinwerfer sowie die abschließenden Tests und die Endabnahme der Fahrzeuge gehen dann in der neuen Manufaktur über die Bühne.

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