Wirtschaft : Erster Streik seit 1919

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Im Versicherungsgewerbe drohen die ersten Streiks seit 1919. Am Montag leitete Verdi die Urabstimmung ein. Dabei geht es weniger um Gehaltserhöhungen als vielmehr um eine politische Auseinandersetzung zwischen den Arbeitgebern und der Gewerkschaft.

Vor Beginn der aktuellen Tarifrunde hatte Verdi die Versicherer verprellt, indem sie sich öffentlich für eine Anhebung der Versicherungspflichtgrenze in der Krankenversicherung ausgesprochen hatte. Gegen diese von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) geplante Maßnahme wehren sich die privaten Krankenversicherer derzeit in einer aufwendigen Werbekampagne. Sie befürchten, künftig nicht mehr genug neue Mitglieder zu bekommen, wenn die Einkommensgrenze für einen Wechsel zur privaten Krankenversicherung heraufgesetzt wird. Erst wenn Verdi sich von seiner Forderung lossage, wolle man wieder verhandeln, sagt Michael Niebler, Geschäftsführer des AGV (Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland). Da die Beschäftigten nicht unter dem politischen Streit leiden sollen, hält Niebler es aber für möglich, Lohnerhöhungen ohne Verdi zu beschließen. Entweder indem man einen Tarifvertrag mit der Verdi-Konkurrenz, dem Deutschen Handels- und Industrieangestellten-Verband, abschließe oder den Beschäftigten ohne Tarifvertrag Lohn- und Gehaltssteigerungen gewähre.

Dies dürfte die Streikbereitschaft der Versicherungsangestellten schmälern, fürchtet Verdi. Die Vorwürfe der Arbeitgeber weist die Gewerkschaft zurück. Man habe sich längst von der umstrittenen Forderung, die Pflichtgrenze zu erhöhen, distanziert. In Wirklichkeit würden die Versicherungsunternehmen versuchen, eine tariffreie Zone aufzubauen. hej

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