Ertragsrückgang : Industrie klagt über Kosten der Kurzarbeit

Die Metall- und Elektroindustrie steht unter Druck: 2009 droht sie zum ersten Mal in die Verlustzone abzurutschen. Schuld daran seien Kurzarbeit und Kündigungsverzicht.

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Ein Fehler? Seit Beginn der Krise hat die Metall- und Elektroindustrie stark auf Kurzarbeit gesetzt. -Foto: dpa

BerlinDie Metall- und Elektroindustrie mit ihren gut 6.000 Unternehmen droht 2009 zum ersten Mal in der Nachkriegszeit als Ganzes in die Verlustzone abzurutschen. Schuld daran seien Kurzarbeit und Kündigungsverzicht. Zu diesen Ergebnissen kommt der Arbeitgeberverband Gesamtmetall in einem dem „Handelsblatt“ vorliegenden Gewinnreport, der auf Erhebungen des Ifo-Instituts und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) basiert.

Trotz erster konjunktureller Hoffnungszeichen wächst damit für Unternehmen der Druck, von Beschäftigungssicherung auf Personalabbau umzuschalten.

Ursachen des Ertragsrückgangs seien „die stark eingebrochenen Umsätze, sinkende Erzeugerpreise und krisenbedingt in die Höhe geschossene Lohnstückkosten“, heißt es in dem Report. Die Lohnstückkosten messen, wie viel jede Produkteinheit die Unternehmen an Löhnen kostet. Wird bei sinkender Produktion kein Personal abgebaut, schießt die Kennziffer folglich in die Höhe. Allein für die Zeit von Januar bis Mai 2009 verzeichnet Gesamtmetall einen Anstieg der Lohnstückkosten um 30 Prozent. Tatsächlich war die Zahl der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie im Mai mit insgesamt 3,51 Millionen Arbeitnehmern nur um 2,4 Prozent geringer als ein Jahr zuvor, während die Produktion im gleichen Zeitraum um mehr als ein Viertel sank.

Die IG Metall nennt die Beschwerde der Firmen "voreilig und kurzsichtig"

„Viele Betriebe rutschen inzwischen von der Konjunkturkrise in eine Strukturkrise“, warnte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Damit steige für sie der Druck, über „Anpassungen“ bei Personalkosten und Beschäftigung nachzudenken. „So sehr sich die Betriebe um Beschäftigungssicherung bemühen – die Kosten dürfen ihnen nicht die finanziellen Spielräume abschnüren“, sagte Kannegiesser.

Die IG Metall weist die Argumentation der Arbeitgeber indes als „voreilig und kurzsichtig“ zurück. Nachdem die Regierung die Regeln der Kurzarbeit gerade erst ein weiteres Mal zugunsten der Unternehmen gelockert habe, sei es „geradezu fatal, nun den Eindruck zu erwecken, dass dieses Instrument angeblich schon ins Leere läuft“. Seit Juli gilt eine gesetzliche Neuregelung, wonach Betriebe vom siebten Monat der Kurzarbeit an gar nicht mehr mit Sozialabgaben belastet werden. Zudem wurde die maximale Dauer von 18 auf 24 Monate verlängert.

Den Arbeitgebern müsse klar sein, dass sie in dieser Krise nicht erneut voreilig qualifiziertes Personal abbauen dürften, das später wieder dringend benötigt werde, so die IG Metall. Seit Beginn der Krise hat die Metall- und Elektroindustrie bereits stark auf Kurzarbeit gesetzt. Zum Ende des ersten Quartals waren dort 700 000 Arbeitnehmer oder 20 Prozent aller Beschäftigten in Kurzarbeit. dc (HB)

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