Erwerbstätigkeit : Arbeit ohne Absicherung

Der Großteil der arbeitenden Bevölkerung weltweit hat nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) keinerlei soziale Absicherung.

Paris - Rund 1,8 Milliarden Menschen, mehr als die Hälfte der Erwerbsbevölkerung, hätten nicht einmal einen Arbeitsvertrag, geschweige denn Anspruch auf Sozialleistungen, teilte die OECD in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie mit. Schon dies sei ein Rekord, aber bis zum Jahr 2020 würden selbst bei guten Bedingungen zwei Drittel der arbeitenden Bevölkerung in informellen Beschäftigungsverhältnissen stehen.

Die Wirtschaftskrise könnte den Trend zu unsicherer Beschäftigung laut OECD verstärken. Denn Menschen, die in Entwicklungsländern derzeit ihren Arbeitsplatz verlören, hätten meist keinen Anspruch auf Arbeitslosenversicherung. Sie müssten sich deshalb zu Niedriglöhnen Arbeit ohne Vertrag und soziale Absicherung suchen.

Aber selbst „in guten Zeiten und mit robusten Wachstumsraten“ nahm die informelle Beschäftigung laut OECD in vielen Ländern zu. Indiens Wirtschaft etwa sei in den vergangenen zehn Jahren jährlich um mehr als fünf Prozent gewachsen. Dennoch müssten dort neun von zehn Arbeitnehmern, also rund 370 Millionen Menschen, „ohne formale soziale Absicherung“ leben. Vor allem Frauen, junge Menschen und Ältere seien von diesem weltweiten Problem betroffen. Um dagegen anzugehen, sei „ein umfassendes Paket“ nötig, zu dem vor allem die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze, bessere Infrastruktur und Weiterbildung gehörten.

Im Afrika südlich der Sahara seien drei Viertel aller Arbeitsplätze ohne Absicherung, hieß es in der Studie mit dem Titel „Is Informal Normal?“. In Süd- und Südostasien seien es mehr als zwei Drittel, in Lateinamerika und im Nahen Osten die Hälfte der Erwerbstätigen. Rund 1,2 Milliarden der informell Beschäftigten weltweit leben laut OECD von weniger als zwei Dollar (1,50 Euro) am Tag.AFP

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