Wirtschaft : Es geht abwärts

Den Schlüsselbranchen der Wirtschaft ist der Optimismus abhanden gekommen. Das könnte auf den Arbeitsmarkt durchschlagen.

München - Optimismus ist in der deutschen Wirtschaft augenblicklich kaum verbreitet. Im September hat sich die Stimmung noch stärker eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank zum fünften Mal in Folge und erreichte den tiefsten Stand seit Anfang 2010. „Die befragten Unternehmen sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage abermals weniger zufrieden. Darüber hinaus blicken sie pessimistischer in die Zukunft“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Montag in München.

Dabei sind die Aussichten – zumindest nach Meinung der Bundesbank – gar nicht so schlecht. Die Volkswirte erwarten nicht, dass die deutsche Wirtschaft in eine Rezession abrutscht. Sie werde wachsen, aber nur langsam, heißt es im jüngsten Monatsbericht des Instituts.

Dennoch sinkt das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, für das rund 7000 Unternehmen befragt werden, schon seit Mai. Auch die jüngst gegebenen Versprechen der Europäischen Zentralbank, künftig ohne Limit Staatsanleihen der Krisenländer aufzukaufen, ändern daran nichts – zur Überraschung viele Volkswirte, die jetzt eigentlich einen Stimmungsumschwung erwartet hatten. Aber „die bremsenden Einflüsse dominieren weiterhin“, sagte Sinn.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank von 102,3 auf 101,4 Punkte. Die Erwartungen für die kommenden Monate sind sogar auf das tiefste Niveau seit Anfang 2009 gefallen. Vor allem in Schlüsselindustrien geben Geschäftslage und Exporterwartungen Anlass zur Besorgnis. Die Autoindustrie spürt die Krise, im Maschinenbau trübt sich die Lage ebenso ein wie in der Chemie- und Elektroindustrie, wie Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe zusammenfasste. Auch bei Investitionen halten sich die Firmen zurück. Das dürfte sich in Kürze auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen, an dem die Krise unter anderem wegen des Fachkräftemangels bislang größtenteils vorbeiging. Statt weiterer Einstellungen planen Unternehmen jetzt eher einen geringen Stellenabbau. Stütze bleibt der private Konsum. Vor allem langlebige Wirtschaftsgüter seien bei den Bürgern gefragt, sagte Wohlrabe.

Aus Sicht der Bundesbank wird die deutsche Wirtschaft von der anhaltenden Kauflust der Verbraucher und dem Wohnungsbau getrieben. Zudem deute sich an, dass Investitionen der Unternehmen nicht weiter zurückgehen, teilte die Bundesbank mit. Die meisten Bankvolkswirte rechnen mit einer Abkühlung, aber nicht mit einer Rezession in Deutschland. „Allerdings wird sich die deutsche Wirtschaft im zweiten Halbjahr nah an der Rezessionsschwelle bewegen“, sagte Dekabank-Experte Andreas Scheuerle. Die Angst vor stockendem Wachstum der Weltwirtschaft und das trübe Geschäftsklima drücken auf die Kurse.dpa

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