Wirtschaft : Es geht auch schneller

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Mit der Einführung der Pflegeversicherung wurden 1996 auch so genannte „Orientierungswerte zur Pflegezeitbemessung“ eingeführt. Die Pflege und Betreuung alter Menschen wurde in einzelne Arbeitsschritte zerlegt, um Kosten besser kontrollieren zu können. Die Arbeitsnorm gibt zwar einen formal nicht bindenden Zeitkorridor vor. Im Arbeitsalltag wird er dennoch genutzt, die Pflegekräfte unter Druck zu setzen, sagt Holger Knörr vom Deutschen Berufsverband für Altenpflege.

„Die Einführung der Zeitvorgaben hat zu einer Sattsauber-und-still-Pflege geführt, die keine Zeit für Gespräche oder nicht vorgesehene Hilfeleistungen lässt“, kritisiert Knörr. „Die Mitarbeiter haben jeden Tag das Gefühl, mit der Arbeit nicht durchgekommen zu sein.“ Der durch die normierte Pflegezeit ausgelöste Arbeitsstress führe zu hohem Krankenstand und überdurchschnittlicher Mitarbeiterfluktuation. Besonders belastend wirke sich der hohe Anteil geistig verwirrter Pflegebedürftiger aus: „Es wird vorausgesetzt, dass sie in der gleichen Zeit gepflegt werden können wie geistig rüstige Alte“, beklagt Knörr. Beispiele für Pflegezeiten:

20 bis 25 Minuten Ganzkörperwäsche

15 bis 20 Minuten Duschen

5 bis 10 Minuten Rasieren

4 bis 6 Minuten Entkleiden

5 Minuten Zahnpflege

3 bis 6 Minuten Stuhlgang

2 bis 3 Minuten Wasserlassen

1 bis 3 Minuten Kämmen

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