Wirtschaft : „Es geht nicht mehr aufwärts“

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Herr Schmidt, einige Labels senken die CDPreise. Fürchten Sie, dass jetzt auch bei den Künstlern gespart wird?

Natürlich wird auch am Künstler gespart – vor allem an gemeinsamen Marketingausgaben für Musikvideos. Ein Zweig der Branche, der leider auch am Boden ist. An unserem eigenen Label Four Music kann ich erkennen, dass es absolut nötig ist zu sparen, wo es geht.

Die Musikindustrie beklagt sich über schlechte Geschäfte. Geht es Ihnen auch so?

Aber natürlich. Mit unserem Nummer- zwei-Hit „die da“ haben wir 1992 750000 Alben verkauft. Mit der Nummer zwei „mfg“ von 1999 war es wenig mehr als die Hälfte davon. Vor allem viele kleine Bands sind unter die Überlebensgrenze gerutscht. Es wird immer von einer Talsohle gesprochen, die es zu durchschreiten gilt. Ich glaube, dass es nicht mehr aufwärts geht. Musik ist wie Salz: Irgendwann hat es seinen Wert verloren und war nur noch ein Gewürz.

Und wo wird im Musikgeschäft noch das meiste Geld verdient?

Das ist eine Frage der Perspektive. Als Künstler werden wir eher bei den Live- Konzerten verdienen und weniger durch Plattenverkauf und Lizenzen. Für Bands, die nicht etabliert sind, kann das wieder ganz anders sein, denn für sie bedeuten Live-Konzerte Kosten, die die Musikkonzerne heute nicht mehr tragen.

Kommerzielle Online-Plattformen wie iTunes haben großen Erfolg. Sind die Musikfans wieder bereit zu zahlen?

Es wird vermutlich immer jemanden geben, der bereit ist, für Musik zu zahlen. Allerdings ist die Vermarktung in der heutigen Medienflut erstens teurer als früher, und das Produkt erreicht weniger Käufer, die zudem gewohnt sind, weniger zu zahlen. Diese Wertschöpfungskette ist schon lange nicht mehr finanzierbar – und zwar weder on- noch offline.

Lässt sich Musik noch vermarkten, ohne dass große Labels involviert sind?

Sinnvolle Verbindungen überleben. Der Kleine bringt den Inhalt, der Große das Geld. Die Konzerne haben ja unter Umständen noch Geld aus anderen Abteilungen, die an Hardware verdienen. Sony etwa. Logisch wäre, wenn Apple ein Label anschließen würde. Die Independents haben die Kompetenz im Künstleraufbau. Das wird ein Major immer brauchen. Musikverkauf wird aber ein hartes Geschäft.

DasGesprächführte Henrik Mortsiefer.

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